Doppelt so viele Unfallfluchten 

Erbärmliche Verkehrsmoral im Main-Taunus-Kreis

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Im Main-Taunus-Kreis hat es 2013 über 3500 Mal gekracht. Erschreckend: Der Anteil der Verkehrsunfallfluchten ist mehr als doppelt so hoch wie der Hessendurchschnitt.

Main-Taunus-Kreis – Die aktuelle Verkehrsunfallstatistik bereitet Sorge: Die Zahl der Verkehrsunfälle im Main-Taunus-Kreis ist gestiegen, die Verkehrsmoral ist außergewöhnlich niedrig und auf Raser wurde der Kontrolldruck erhöht. Von Dirk Beutel 

Zuerst das Erfreuliche: Trotz der hohen Verkehrsdichte im Main-Taunus-Kreis liegt die Unfallhäufigkeit mit 27,3 Prozent unter dem Landesdurchschnitt. Und: Die Zahl der Verkehrstoten liegt mit nur einem tödlich Verletzten auf einem Tiefstand. 2012 waren es noch fünf Unfalltote. Rückblick: Am 1. März 2013 kam es in einem Wohngebiet in Hattersheim-Okriftel zu dem tödlichen Verkehrsunfall. Ein 82-jähriger Pkw-Fahrer befuhr die Buchenstraße und wollte nach links in die Linsenberger Straße einbiegen. Eine 28-jährige Fahrradfahrerin, brachte ihr Fahrrad zum Stillstand, um den vorfahrtberechtigten Pkw-Fahrer einbiegen zu lassen. Beim Abbiegen überrollte der Pkw-Fahrer die Fahrradfahrerin und verletzte sie tödlich.

Verkehrsunfälle sind gestiegen

Doch auch bei der schönsten Statistik gibt´s Wehrmutstropfen. So auch bei den Verkehrsunfallzahlen aus dem Jahr 2013. Demnach haben die Verkehrsunfälle mit Personenschäden im Vergleich zum Jahr 2012 um 44 auf 541 Unfälle (plus 8,85 Prozent) zugenommen, liegen damit aber zumindest im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Die Zahl der dabei verletzten Personen stieg von 623 auf 723 (plus 16,05 Prozent).

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Die Verkehrsunfallfluchtunfälle nahmen ebenfalls zu, um 49 auf 1509 (plus 3,24 Prozent). „Der Anteil der Unfallfluchten von 42,4 Prozent am Gesamtunfallaufkommen ist absolut inakzeptabel, da diese Quote weit über dem Hessendurchschnitt von 29,4 Prozent liegt“, sagt der Leiter des Regionalen Verkehrsunfalldienstes in Hattersheim, Thorsten Nordholt. Der Unfallfluchtanteil lasse darauf schließen, dass die Verkehrsmoral im Kreisgebiet niedrig sei. Die Unfallverursacher gehen ein hohes Risiko ein, denn vergangenes Jahr wurden 582 Unfallflüchtige ermittelt (fast 39 Prozent). Nicht zuletzt, weil den Flüchtigen zum Teil empfindliche Strafen drohen. Das reicht von einer Geldstrafe von bis zu 90 Tagessätzen, über einen Punkte-Eintrag in Flensburg, bis hin zum Entzug der Fahrerlaubnis. Und weil eben auch die Gesamtzahl der Verkehrsstraftaten von 1191 in 2012 auf 1258 in 2013 angewachsen ist, spricht die Polizei zu Recht von einer nach wie vor schlechten Verkehrsmoral.

Tausende Raser geblitzt

Das lässt sich auch an den Rasern ablesen: Bei 190 Kontrollen im vergangenen Jahr wurde die Geschwindigkeit von rund 155.500 Fahrzeugen gemessen. Polizeidirektor Jürgen Moog zur Verkehrssicherheitsstrategie: „Wir möchten mit Präventionsmaßnahmen Sicherheit und Moral im Straßenverkehr verbessern. Durch verstärkten Kontrolldruck wollen wir die uneinsichtigen Verkehrsteilnehmer zu korrektem Verhalten bewegen.“ Ergebnis: 7473 Verwarnungsgeldverstöße, 2769 Bußgeldverstöße, 175 Fahrverbote. Den Negativ-Rekord erreichte ein Autofahrer, der auf der B 8 Richtung Königstein, statt der vorgeschriebenen 100 Kilometer pro Stunde mit einem saftigen Tempo von 221 geblitzt wurde.

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