Kein Extra-Lohn für Mitarbeiter

Verkaufsoffener Sonntag: Ärger nach Absage nach Gerichtsurteil

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Solche Bilder von der Zeil hätten Einzelhändler am heutigen Sonntag auch gerne gesehen. Doch eine Klage der Gewerkschaften machte den Geschäftsleuten einen Strich durch die Rechnung

Frankfurt – Sie hatten Waren gekauft, die Werbetrommel gerührt und den Mitarbeitern Extra-Löhne in Aussicht gestellt – doch nach der Absage des verkaufsoffenen Sonntags in Frankfurt war alle Mühe vergebens. Teuer und ärgerlich. Von Axel Grysczyk

Erst war Wut. Es blieb Enttäuschung. Die Absage des für heute geplanten verkaufsoffenen Sonntags kennt ein paar Gewinner – aber eine Menge Verlierer. Einer davon ist Jürgen Welz, Niederlassungsleiter von Zweirad Stadler. „Wir betreiben ein Saisongeschäft. Da ist es natürlich ärgerlich, wenn ein umsatzstarker Tag wegfällt. Wir haben Geld für Werbung investiert und dementsprechend Ware bestellt.

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Insgesamt ist der Schaden durch die kurzfristige Absage fünfstellig“, sagt er. Eine Einschätzung, die Torsten Müller, Geschäftsleiter bei Flamme-Möbel und Marcus Schwartz, Center-Manager von MyZeil, teilen. Für Schwartz sind die Ausfälle noch größer. „Wir hatten Künstler gebucht oder Attraktionen wie Tischkicker oder Carrera-Bahn bestellt. Schließlich wollen wir einen verkaufsoffenen Sonntag stets zu einem besonderen Tag machen. Damit locken wir ja auch Ein-Tages-Touristen aus dem Umland nach Frankfurt, und daher haben nicht nur die Einzelhändler Ausfälle, sondern auch die Stadt hat einen gehörigen Image-Schaden.“ Welz, Müller und Schwart beklagen die Rechtsunsicherheit. Planen lasse sich nach diesem Urteil nicht mehr.

„Den Gewerkschaften geht es nur um eigene Interessen“

Und My-Zeil-Manager Schwartz sieht auch keinen Vorteil für das betroffene Personal. Im Gegenteil. „Für die Mitarbeiter ist das bitter. Die hätten durch die Sonntagsarbeit bedeutend mehr Geld verdient. Das ist weg.“ Flamme-Chef Torsten Müller sieht’s ähnlich. Die Mitarbeiter verlieren Geld, dass sie möglicherweise schon eingeplant hatten. Flamme hatte Anzeigen geschaltet, eine Radio-Kampagne gestartet, 40.000 Mails versandt – alles umsonst. „Es ist eine Unverschämtheit“, sagt Müller und ergänzt: „Den Gewerkschaften geht es nur um ihre eigenen Interessen und um ein richtungsweisendes Urteil. Was das jetzt für uns in Frankfurt bedeutet, ist denen doch egal.“ Eine solche Entscheidung drei Tage vor dem verkaufsoffenen Sonntag zu verkünden habe nichts mit Fairness zu tun. Das dürfte auch Wirtschaftsdezernent Markus Frank unterschreiben. „Frankfurt hat sich bei der bisherigen Findung und Abstimmung geeigneter Termine der bislang jährlich maximal vier erlaubten verkaufsoffenen Sonntage stets an die Forderung der Rechtsprechung gehalten, dass Ladenöffnungen nur aus Anlass von Märkten, Messen und örtlichen Festen oder Veranstaltungen, die von sich aus bereits einen erheblichen Besucherstrom anziehen, genehmigungsfähig sind“, sagt er.

Markus Frank überrascht die Entscheidung der Richter 

Gerade die Einschätzung der Rechtmäßigkeit der Allgemeinverfügung zur Ladenöffnung der besucherstarken Frankfurter Musikmesse durch die Frankfurter Richter habe dies wiederum bestätigt. „Umso überraschender und für uns nicht nachvollziehbar ist die nunmehr völlig gegenteilige Abschätzung der Rechtslage durch den hessischen Verwaltungsgerichtshof“, sagte Frank und fügte hinzu: „Ich sehe dadurch nicht nur unsere Stadt als Messestadt geschwächt, sondern verbinde dies auch mit meiner nochmaligen Aufforderung an den hessischen Gesetzgeber, eine eindeutige Präzisierung des Ladenöffnungsgesetzes vorzunehmen.“

Fotos: Viele Stars beim LEA-Award 2016

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