Sie verführt mit Torten und Gebäck

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Michaela Feudtner formt in der heimischen Küche Zuckerrosen für eine Hochzeitstorte.

Seligenstadt – Pralinen, Desserts und Trüffel-Torten: Was das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt, ist für Michaela Feudtner tägliche Arbeit. Die Seligenstädterin zaubert für Familienfeiern die leckere Torten und entführt ihre Gäste bei Kursen in vergangene Jahrhunderte. Von Andreas Einbock

Auf den ersten Blick wirkt die Küche ganz normal. Erst als Michaela Feudtner einen Oberschrank öffnet, wird deutlich, womit die Selbstständige ihr Geld verdient. Neben Mixern und Pürierstäben quillen Nudelhölzer, Glätter und unzählige Ausstechformen hervor.

„Richtiges Spezialwerkzeug brauche ich schon für meine außergewöhnlichen Torten“, sagt die 37-Jährige und ergänzt: „In diesem Bereich bieten deutsche Bäcker leider nur einfachen Standard. Da wird oft nur Wasser und Pulver angerührt.“ Vor allem die Aussage, dass Torten nur mit Ständern gestapelt werden können, sei nur eine faule Ausrede. „Natürlich muss die Statik bedacht werden. Mit dem richtigen Rollfondant aus Puderzucker, Gelantine und Glucosesirup ist das alles machbar“, so die Backexpertin, die neben Torten auch Gebäck wie Macarons und Petit Fours herstellt. An Kalorien denke zum Glück niemand. „Die Männer wollen oft etwas Schokoladiges, während die Frauen eher Leichtes oder Zitroniges wollen“, beschreibt sie die unterschiedlichen Geschmäcker.

In den USA gibt's sogar eine eigene Torten-Industrie

Dabei hat die gelernte Hotelfachfrau ihr Handwerk nicht in einer Konditorei sondern im Selbststudium durch Internetrecherche und Bücher erlernt. Deutschland sei noch ein Entwicklungsland. „Die Tortentrends kommen aus den USA. Dort ist das ein eigener Industriezweig mit TV-Sendungen und echten Torten-Stars“, sagt Feudtner, die schon als Kind für ihre Familie Pralinen zu Weihnachten gebacken hat.

Damals entdeckte sie ihr anderes Hobby, das sie heute hervorragend mit ihre Arbeit verbinden kann: Living History. „Schlösser und Burgen haben mich von Anfang an begeistert. Ich war vom Prinzesinnensyndrom befallen und wollte selbst so schöne Kleider tragen“, erklärt sie ihre Leidenschaft zur Darstellung historischer Lebenswelten. Diese lebt sie auf dem Seligenstädter Weihnachtsmarkt und dem fränkischen Schloss Zeilitzheim aus.

„Mit einer Gruppe bis 20 Leuten leben wir bei den Wochenendkursen wie es für die Zeit von 1750 bis 1815 üblich war. Wir kleiden uns wie damals, stellen Pralinen her und Kochen vor allem nach den damaligen Methoden“, berichtet Feudtner und fügt hinzu: „Das heißt, dass wir ohne Farb- und Konservierungsstoffe, ohne Kartoffeln und ohne Tomaten arbeiten.“

Neben der Kleidung legt Feudtner Wert auf passende Esskultur

Leckereien wie damals bietet Michael Feudtner auf einem Markt in Seligenstadt an.

Neben dem originalgetreuen Kochen eines Menü legt Feudtner auch auf das Übermitteln der damaligen Esskultur großen Wert. So werde beim Essen darüber gesprochen, dass damals nicht alles auf einem Teller serviert, sondern in vielen einzelnen Schüsseln mit getrennten Beilagen gereicht wurde. „Es gab drei bis vier Gänge statt wie heute nur zwei. Dafür wurde mehr getrunken und das in einem Zug bis der Lakaie nachgeschenkt hat. Da das Essen manchmal nicht frisch war, wurde oft eine stark gewürzte Buttersoße drüber geschüttet“, erklärt sie.
Über ihre Leckereien muss die Zuckerbäckerin keine Soßen kippen. Frisch bereitet sie derzeit Teig und Schokolade für die bevorstehende Weihnachtszeit in ihrer Küche vor. Dafür steht ihr bald eine größere Arbeitsfläche zur Verfügung. „Im Februar ziehe ich um. Dann habe ich eine größere Küche mit seperater Backstube“, sagt Feudtner.

Informationen unter: www.zuckerbaeckerin.com

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