Verfassungsschutz warnt: Das sind die Nazi-Codes auf Kennzeichen

Region Rhein-Main - Rechtsextreme haben sich die Demokratie zum Feind gemacht. Vor einer Woche hat eine feige Messerattacke den Passauer Polizeichef schwer verletzt. Verfassungsschutz-Behörden warnen, dass Rechtsextreme vermehrt Autokennzeichen nutzen, um ihre Gesinnung auszudrücken. Von Axel Grysczyk 

Die "Berliner Morgenpost" und der "Tagesspiegel" berichten in ihren Montagsausgaben über den Vorstoß des Verfassungsschutzes Brandenburg. Der weist darauf hin, dass Rechtsextreme neuerdings Zahlenkombinationen verwenden, die auf ihre Gesinnung schließen lassen.

Als Beispiele werden genannt: "18" (steht für den ersten und den achten Buchstabe des Alphabets: "A" sowie "H" und damit für Adolf Hitler), "28" (steht für den zweiten und den achten Buchstaben im Alphabet. BH gilt als Abkürzung für die inzwischen verbotene Skinheadorganisation Blood Honour) und "88" (steht für "H": "Heil Hitler"). 

Werner Meystädt, Sprecher des hessischen Verfassungsschutzes, will nicht ausschließen, dass sich auch im Rheinmain-Gebiet Neonazis gezielt solche Schilder als Wunschkennzeichen bestellen. Gerade in Offenbach war die südhessische Sektion von Blood Honour bis zu ihrem Verbot im Jahr 2000 beheimatet.br /Martina Fuchs, als Chefin des Offenbacher Bürgerbüros zuständig für die Zulassungsstelle, macht klar, dass gewisse Kennzeichen mit Buchstabenkombinationen wie "HJ", "NS", "KZ" oder "SS" aufgrund des nationalsozialistischen Bezug bereits verboten sind.

"Die jetzt in die Diskussion gekommenen Zahlenkombinationen werden aber ausgegeben. Wenn einer eine solche Nummer haben will, bekommt er sie auch." Sie könne sich nicht erinnern, dass einer vom Äußeren eher der rechten Szene zugeordneter Wunschkennzeichen-Besteller unbedingt eine dieser Zahlen haben wollte. Ähnlich siehtt es Kordula Egenolf, Sprecherin des Kreises Offenbach. "Wir orientieren uns an einem Bundeserlass, der Buchstabenkombinationen wie HJ, KZ, NS, SA, SD und SS verbietet. Die Reservierung einer solchen Kombination bei der Zulassungsstelle über das Internet wird abgeblockt. Bei Zahlenkombinationen gibt es aber keine weiteren Einschränkungen."

Bleibt ein Problem: Durch die Logik einiger Verfassungsschutz-Behörden laufen jetzt auch Autofahrer Gefahr, mit vermeintlich unverfänglichen Kombinationen, in die falsche Ecke gestellt zu werden. Tröstlich für solche Kennzeichen-Inhaber ist, dass die Neonazi-Zahlenlogik wohl den Insiderkreis nie verlassen und in der Allgemeinheit Fuß fassen wird.

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