Besserer Umgang mit schwerer Krankheit

Dieburger gründet nach Leukämie-Erkrankung Selbsthilfegruppe für Betroffene

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Haben den Verein „Leukämie- und Lymphom-Hilfe in Hessen“ gegründet: Karl-Heinz Dreher (links), Vorsitzender Holger Bassarek und seine Frau Adele.

Dieburg - Der Dieburger Holger Bassarek erkrankte einst an Blutkrebs und hat nun mit anderen den Verein „Leukämie- und Lymphom-Hilfe in Hessen“ gegründet. Von Jens Dörr

Kinderleukämie ist eine schlimme Krankheit und wird öffentlich stark wahrgenommen. „Nur zwei Prozent der Leukämie-Fälle betreffen Kinder, aber 98 Prozent der Spenden gehen für ihre Behandlung ein. Bei der Leukämie Erwachsener ist das Verhältnis genau umgekehrt“, sagt Holger Bassarek und will das nicht werten, sondern nur feststellen. Der Dieburger muss es wissen: Vor 16 Jahren sprang er dem Tod in letzter Sekunde von der Schippe – und kann bis heute wieder ein weitgehend normales Leben führen. Seine Erfahrungen und den Umgang mit der Blutanomalie gibt der Leukämie-Betroffene seit mehreren Jahren weiter. Nun hat der 46-Jährige als Vorsitzender – unter anderem zusammen mit Karl-Heinz Dreher (70, Darmstadt, stellvertretender Vorsitzender) und seiner Frau Adele Bassarek (44, Dieburg, Schriftführerin) – den Verein „Leukämie- und Lymphom-Hilfe in Hessen“ gegründet. Es sei ein heißer Sommer gewesen im Jahr 1997, erinnert sich Holger Bassarek und leitet so die Erzählung über die dramatischsten Tage seines Lebens ein. „Ich war gerade frisch verheiratet, habe gebaut und viel Stress gehabt.“ Wohl auch deswegen ahnte er zunächst nichts Schlimmes, als sich Erschöpfung, Nachtschweiß und Knochenbeschwerden häuften. Dann wurden sie doch derart schlimm, dass Bassarek den Arzt aufsuchte – gerade noch rechtzeitig. „Bei mir wurde eine akute Lymphatische Leukämie diagnostiziert“, so Bassarek. Eine sofort in die Wege geleitete Knochenmark-Transplantation rettete ihm das Leben: „Ohne die Behandlung wäre ich fünf Tage später tot gewesen.“

Leukämie, manchmal auch als Blutkrebs bezeichnet, äußert sich in erster Linie durch die vermehrte Bildung weißer Blutkörperchen. Leukämiezellen breiten sich im Knochenmark aus, beeinträchtigen damit die reguläre Blutbildung – mit allen negativen Folgen für den Körper, etwa für Leber und Milz, auch für die Knochen selbst. „Es gibt 30 verschiedene Hauptdiagnosen“, weiß auch Dreher. Bei ihm wurde eine chronische myeloische Leukämie (CML) festgestellt – im Rahmen einer Routineuntersuchung. „Im Vergleich zu den akuten Leukämien ist das ein Klacks“, sagt Dreher, der die Krankheit mit Medikamenten bis heute relativ nebenwirkungsfrei in den Griff bekommen hat.

Wenige Infos über die Krankheit

Auch Bassarek – der nach der Transplantation heute übrigens eine neue Blutgruppe hat – kann ein weitestgehend normales Leben führen, arbeitet am Campus Dieburg der Hochschule Darmstadt. Dreher und er organisieren bereits seit mehreren Jahren Selbsthilfegruppen für Leukämie-Kranke – Dreher eine sich „richtig“ treffende Gruppe in Darmstadt, Bassarek eine Onlinegruppe. „Es hat sich in der Therapie wirklich viel getan“, sagt Bassarek. Da es sich hessenweit aber um eine relativ seltene Krankheit handele, gebe es Informations- und Austauschmöglichkeit nach einer Diagnose nicht an jeder Ecke. In den Gruppen geht es um Informationen zu Symptomen, Krankheitsverlauf und Therapien, um das Klarkommen mit den Nebenwirkungen – Bassarek wurde neben der Transplantation am ganzen Körper bestrahlt, was bis heute etwa die Lunge beeinträchtigt – und nicht zuletzt auch um gegenseitiges mentales Stützen.

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Um als gemeinnützig anerkannt zu sein und leichter Förder- und Spendenmittel generieren zu können, hat sich die Gruppe mit der „Leukämie- und Lymphom-Hilfe in Hessen“ ein offizielles Dach gegeben. Neben der Gruppe für Darmstadt-Dieburg gibt es auch eine Gruppe in Bad Homburg für den Taunus und den Raum Frankfurt/Offenbach. Meist treffen sich die Gruppen einmal im Monat. „Oft öffentlich in einer Gaststätte – wir schotten uns nicht im stillen Kämmerlein ab“, sagt Dreher, dem wie Bassarek nichts von seiner Krankheit und den Nachwirkungen anzumerken ist.

Weitere Infos und Kontakt zur „Leukämie- und Lymphom-Hilfe in Hessen“ unter www.leukaemie-phoenix.de oder per E-Mail an info@leukaemie-phoenix.de.

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