Alleinerziehende Mutter kämpft gegen Kindertränen

Frankfurterin schickt tonnenweise Lebensmittel in Flüchtlingslager

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Dounia Guemmou will mit ihrer Hilfsorganisation Flüchtlingskindern helfen.
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Frankfurt – 40 Tonnen Lebensmittel in neun Container organisierte die alleinerziehende Mutter Dounia Guemmour für Flüchtlinge bislang. Bereits seit zwei Jahren stemmt die Frankfurterin von Zuhause aus riesige Hilfsaktionen. Von Angelika Pöppel

Einige Frauen entdecken in der Elternzeit ihre Vorliebe fürs Nähen oder Malen. Anders bei Dounia Guemmour. In der Zeit, als sie für ihren Sohn zu Hause blieb, rief sie die Hilfsorganisation „Kindertränen“ ins Leben. „Ausschlaggebend war ein Bericht in den Nachrichten über die Dürre in Somalia. Da konnte ich einfach nicht mehr tatenlos zusehen“, sagt Guemmour. Sie informierte sich bei anderen Organisationen und ließ sich Aktionen einfallen, um Spenden zu sammeln. Eine davon: Der Cake-Day. Bundesweit rief sie über eine Facebook-Seite dazu auf, Kuchen zu verkaufen und das gesammelte Geld zu spenden. „Ich wollte den Leuten ermöglichen, nicht nur zu spenden, sondern selbst um Spender zu werben.“

Bald ist ihr Verein auch offiziell eingetragen

Die Idee ging auf: „Es entwickelte sich eine enorme Eigendynamik“, sagt Guemmour. Auf diese Weise sammelte sie im Jahr 2011 rund 900 Tonnen Reis, Mehl, Zucker, Babymilchpulver und Konserven. „Die Spenden mussten gezählt, dokumentiert und zur Sammelstelle gebracht werden – das war ein Riesenaufwand!“ Die Lieferung nach Nord-Somalia übernahm die Hilfsorganisation Human Plus. „Ich habe immer mit Partnern gearbeitet, da ich „Kindertränen“ vorher nicht offiziell als Verein eingetragen ließ.“ Doch damit sei es bald vorbei. „Das Prozedere wird in den nächsten Wochen abgeschlossen sein, ich habe mich darum einfach nicht gekümmert“, sagt die Mutter aus der Nordweststadt.

Dounia Guemmou mit dem Logo ihrer Hilfsorganisation.

Heute arbeitet sie wieder Vollzeit. Nach der Arbeit, sobald ihr Sohn im Bett ist, kümmert sie sich bis spät in die Nacht um die Organisation. Innerhalb von zwei Jahren schickte sie mehrere Container für Flüchtlinge nach Somalia, Libyen, in den Libanon, in die Türkei, organisierte den Bau von Moscheen, Schulen und Brunnen in vier provisorischen Dörfen in Somalia. „Jedes Gebäude kostete rund 8000 Euro. Wir haben an vielen Stellen gespart, alle Bewohner haben mitgeholfen, es sind einfache Häuser. Aber heute sind es die einzigen funktionstüchtigen Gebäude in den Städten.“

Nächstes Mal will sie selbst anpacken

Transparenz ist der Marokkanerin wichtig: „Freiwillige können ihren Rucksack packen und sich vor Ort ein Bild machen oder mithelfen und dafür sorgen, dass die Güter an der richtigen Stelle landen“, sagt sie. Wie bei ihrer ersten Aktion: Zwei freiwillige Männer reisten mit nach Somalia und nahmen die Container im Hafen in Empfang. „Das somalische Fernsehen war sogar dabei, als der Container geöffnet wurde“, berichtet sie stolz. So hat sie es mittlerweile geschafft, Vertrauen zu gewinnen. Einen Wunsch will sie sich noch erfüllen: „Beim nächsten Projekt will ich selbst mit anpacken.“

Bilder aus den Flüchtingslagern in Somalia und Jordanien

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Angelika Pöppel

Angelika Pöppel

E-Mail:angelika.poeppel@extratipp.com

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