Er verdient sein Geld mit Lügen

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Jack Nasher durschaut die Geheimnisse kleiner und großer Lügen.

Frankfurt – Es ist der aktuelle Serienerfolg im Fernsehen: „Lie to me“ zieht seit März jeden Mittwochabend über drei Millionen Zuschauer in seinen Bann. Jack Nasher ist dem Geheimnis der Lügen seit zwei Jahren auf der Spur. Auf die Idee seines Erfolgsbuchs „Durchschaut“ ist der Wirtschaftspsychologe und Jurist am Frankfurter Amtsgericht gekommen. Von Andreas Einbock

Feines Samt-Sakko, die Haare glatt gegelt, ein nobler Koffer links, das Handy rechts in der Hand: Jack Nasher-Awakemian legt großen Wert auf Äußeres. Doch der Sohn einer Afghanin und eines Armeniers ist vor allem Experte für Inneres. Auf der ganzen Welt berät der 30-Jährige Banken, Kanzleien und Industriefirmen und zeigt in Seminaren, wie sich trotz Sinnestäuschungen die Wahrheit erkennen lässt. „Der Schlüssel zu allem ist die Verhaltensänderung. Wenn ein Element wie Sprache, Gesichtsausdruck oder Gestik anders als sonst ist, deutet das auf eine Lüge hin“, so Nasher, der während seiner fünfjährigen Studienzeit in Frankfurt im Referendariat am Amtsgericht auf das Thema stieß.

Manche Betrüger sind am Gang zu erkennen

„In den Prozessen wurde von morgens bis abends nur gelogen“, erinnert sich der Autor und ergänzt: „Als ein Richter mir sagte, er erkennt einen Betrüger schon am Gang, wollte ich es genauer wissen und stürzte mich auf die Studien.“ Ein paar Polizei-Ratgeber, in denen widersprüchliche Angaben standen, stärkten seinen Forscherdrang und die Idee für ein Buch. „Ich dachte anfangs, dass der Mensch zu kompliziert für einen Entschlüsselungsmechanismus ist. Doch dann schlossen sich die Puzzleteile zu einem großen Bild des Lügens.“ Nasher fand fünf Mechanismen, „die kultur-, geschlechts- und altersunabhängig funktionieren.“ Voraussetzung einer guten Lüge sei, dass sich der Lügner selbst glaubt. „Wer Angst oder Schuld zeigt, hat verloren“, zählt er die häufigsten Anzeichen einer Lüge auf.

Ganz leicht Lügner überführen

Doch um die zu erkennen, sind mindestens zwei unterschiedliche Körpersignale nötig: „Genau darin greift die TV-Serie zu kurz. Nur eine Änderung reicht nicht, um den Lügner zu überführen.“ Dennoch gesteht er, Fan der TV-Serie zu sein, in der der Wahrnehmungsforscher Cal Lightman den renommierten amerikanischen Psychologen Paul Ekman spielt. „Ekman ist die Koryphäe auf dem Gebiet. Für mein Buch habe ich fachlich mit ihm kommuniziert“, so Nasher, der sein Fachbuch in populärwissenschaftlicher Machart immer zur Hand an hat.

Bei allem Erfolg – die erste Auflage war nach drei Wochen vergriffen – stellt Nasher auch einen Nachteil fest: „Die Menschen sind zu mir etwas zurückhaltender geworden und lügen mich nicht mehr an. Umso ärgerlicher ist es, wenn es doch jemand geschafft hat, mich zu täuschen.“

Nasher wohnte in der Berger Straße

An seine Studienzeit am Main erinnert sich der Anatom der Lüge gern: „Ich habe in der Bergerstraße gewohnt und empfand Frankfurt als sehr lebendig. Aber Gut und Böse liegen hier ja dicht beisamen.“ Nach Lehr- und Forschungsaufenthalten in Oxford, Wien und New York hat es den frisch gebackenen Hochschulprofessor nach München verschlagen, wo er bald an der Wirtschaftshochschule lehren wird.

„Ab Juni gebe ich in Frankfurt Seminare zu meinem Buch“, freut er sich auf seine Rückkehr an den Main. Weitere Informationen unter www.jacknasher.com.

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