Nur gucken, nicht anfassen?

Das ist im Supermarkt verboten!

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Was ist wirklich alles im Supermarkt erlaubt und was nicht?

Die Coke in der langen Schlange vor der Kasse trinken, Verpackungen ungeniert öffnen, mit einem Berg von Kleingeld bezahlen: Was ist in Supermärkten tatsächlich erlaubt? Von Oliver Haas

Peter Lassek, Jurist bei der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt, weiß, an welche Regeln sich die Kunden rein rechtlich gesehen halten müssten – es aber oft nicht tun. Dem EXTRA TIPP schilderte er zehn Mythen rund um das Thema „Das ist im Supermarkt erlaubt – oder auch nicht“:

1. Ist das Probieren von Obst vor dem Kauf gestattet?

Nein. Auch wenn es sich nur um eine einzelne Weintraube und insofern um eine Bagatelle handeln mag. Bis der Kunde an der Kasse seinen Einkauf bezahlt, gehört die Ware dem Supermarkt. Um Streitigkeiten zu vermeiden, sollte man vorher fragen, ob Naschen erlaubt ist.

2. Darf man den Reifegrad von Obst durch Drücken testen?

Wenn (abwaschbares) Gemüse oder Obst lose angeboten wird, dürfen Sie prüfen, ob es auch in Ordnung ist.

3. Ist es erlaubt Lebensmittel zu essen oder zu trinken, um dann die leere Packung zu bezahlen?

Auch hier gilt: Bis der Kunde an der Kasse seinen Einkauf bezahlt, gehört die Ware dem Supermarkt. Um etwaige Probleme zu vermeiden, sollten Sie die geöffnete Flasche oder die angebrochene Packung sichtbar in den Einkaufswagen legen. Sie müssen deutlich zu machen, dass Sie die bereits konsumierte Ware auch bezahlen wollen.

4. Dürfen Verpackungen geöffnet werden, um reinzuschauen?

Das kommt darauf an, um welche Ware es sich handelt. Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass der Händler das Produkt nach dem Öffnen problemlos als neu und ohne Qualitätsminderung weiterverkaufen kann. Hinweise in den AGBs oder auf Schildern, auf denen „Öffnen der Ware verpflichtet zum Kauf“ steht, sind also unwirksam. So dürfen Sie zum Beispiel an einem Shampoo riechen oder eine Eierpackung öffnen, um zu prüfen, ob alle Eier unversehrt sind. Anders sieht dies bei in Folie verschweißten oder vakuumverpackten Lebensmitteln aus.

5. Darf ich Waren in eine Tasche stecken, um diese erst an der Kasse rauszuholen?

Jein. Soweit man eine eigens für den Einkauf mitgebrachte Tüte oder einen Einkaufstrolley füllt, den man vor dem Bezahlen restlos entleert, dürfte dies unproblematisch sein.

Sobald es aber für den Supermarktbetreiber nicht mehr klar ersichtlich ist, dass Sie die Ware später wirklich bezahlen wollen, gerät der Kunde rasch in Diebstahlsverdacht. Vor allem wenn die Ware in eine Tasche gegeben wird, in der sich weitere persönliche Dinge und/oder Einkäufe befinden. Bei der Benutzung eigener Taschen sollten Sie diese jedenfalls nicht verschließen und an der Kasse immer aktiv zeigen, dass Sie keine Waren mehr in der Tasche haben.

6. Was passiert, wenn ein Kunde etwas im Laden beschädigt?

Wenn Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz im Spiel ist, machen Sie sich gegenüber dem Händler schadensersatzpflichtig. Sie sollten also den Schaden melden. Je geringer der Schaden, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Händler kulant zeigt und keine Erstattung fordert. Bei größeren Schäden kann es sinnvoll sein, die eigene Privathaftpflichtversicherung zwecks Schadensabwicklung einzuschalten.

7. Darf ich Deos oder Parfums testweise sprühen?

Es handelt sich – bis zum Abschluss des Kassenvorgangs – um fremdes Eigentum, dass Sie zunächst nicht (auch nicht teilweise) verbrauchen dürfen, es sei denn, es steht von vornherein fest, dass Sie das Produkt kaufen werden.

8. Ist es erlaubt, in der Zeitschriften- oder Bücherecke diverse Lektüren zu lesen, um diese dann wieder ins Regal zu legen?

Es kommt darauf an: Sofern das Durchblättern nicht extra per Hinweisschild verboten ist, können Sie kurz schmökern. Allerdings dürfen Sie die Lektüre dabei nicht beschädigen. Wenn eine Zeitschrift nach dem Lesen Eselsohren hat oder ein Buch so deutliche Gebrauchsspuren aufweist, dass es nicht mehr als neu verkauft werden kann, dann kann der Händler von Ihnen verlangen, dass Sie die Zeitschrift kaufen oder entsprechenden Schadensersatz leisten. Auch stundenlanges Lesen muss der Händler nicht dulden. Hier darf er sogar Hausverbot erteilen

9. Darf ich den Einkaufswagen kurz mit nach Hause nehmen, wenn ich in der Nähe des Marktes wohne?

Den Einkaufswagen vom Gelände zu fahren ist nicht erlaubt, auch wenn Sie die Absicht haben, den Einkaufswagen wieder zurückzubringen. Denn der Einkaufswagen ist Eigentum des Supermarkts und nicht dazu vorgesehen, über die Sammelplätze hinaus mitgenommen zu werden. Ein Einkaufstrolley ist dem geliehenen Gefährt also eindeutig vorzuziehen.

10. Darf ich mit so viel Kleingeld bezahlen, wie ich möchte?

Nein. Denn laut Münzgesetz müssen nur bis zu 50 Euro-Münzen in einer Zahlung akzeptiert werden. Alles was darüber hinaus geht, muss der Händler nicht mehr annehmen.

„Tasche bitte öffnen!“ Was dürfen Ladendetektive?

Auch wenn der Händler ein berechtigtes Interesse an der Überwachung seines Ladens hat, ist das laut Jurist Peter Lassek kein Freibrief, jeden Kunden als potenziellen Dieb abzustempeln und ohne Grund Taschen zu durchsuchen. Nur wenn ein konkreter Verdacht vorliegt, ist an Taschenkontrollen überhaupt zu denken. Es muss berechtigte Gründe geben, die nahelegen, dass sich in dieser Tasche Diebesgut befindet. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein anderer Kunde beobachtet hat, dass die verdächtige Person Ware eingesteckt hat. Grundsätzlich könne der Kunde immer darauf bestehen, dass die Polizei hinzugerufen wird.

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