Kommentar zum Gerichtsurteil

Uli Hoeneß – das war ein Anfang

Redaktionsleiter Axel Grysczyk

Jeder durfte nach dem Hoeneß-Urteil  seine Meinung kundtun: Die Strafe ist zu hoch, zu niedrig, angemessen und so weiter. Das Entscheidende ist etwas anderes: Steuersünder dürfen sich nicht mehr sicher fühlen. Ein Kommentar von Axel Grysczyk

Wer Steuern hinterzieht, muss mit ständiger Entdeckung rechnen. Sei es durch den Ankauf von Steuer-CDs, sei es durch internationale Abkommen – spätestens mit der Verkündung des Hoeneß-Urteils ist die Steuerhinterziehung  als Kavaliersdelikt ein Relikt vergangener Zeiten. Dass es überhaupt so weit kommen konnte, lag und liegt an der Möglichkeit der Selbstanzeige. Die Interpretation vieler: Ach, ich kann so viel Mist bauen wie ich will, wenn ich zum Schluss eine Selbstanzeige stelle, muss ich die Steuer bezahlen, komme aber straffrei davon. Die Argumentation des Gesetzgebers stützt bisher dieses moralische Ungleichgewicht. Denn derzeit gilt: Es wird auf eine Strafe verzichtet, damit wenigstens das Geld nach einer Selbstanzeige in die Steuerkassen fließt.

Mehr Kontrolle gegen Steuersünder

Nur zur Erinnerung: Wäre die Selbstanzeige von Uli Hoeneß  als wirksam anerkannt worden, wäre er trotz Steuerhinterziehung von mindestens 28 Millionen Euro straffrei geblieben. Die Finanzbehörden müssen in Zukunft so ausgestattet werden, dass sie nicht nur Akten sichten. Sie müssen über Beamte verfügen, die auch aktiv Steuersünder jagen. Häme und Spott gegen Uli Hoeneß ist nicht angebracht. Ständig unser Steuersystem zu modernisieren und mit mehr Kontrollmöglichkeiten auszustatten – das ist die Aufgabe der Zukunft.

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