Urlaubs-Gefühle trotz Schulunterricht

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Klassenlehrerin Judith Kolb und ihre 25 Schüler der Klasse 6 d der Carl-von-Weinberg-Schule sitzen stolz auf ihren Holz-Hockern in ihrem selbst gebauten Freiluft-Klassenzimmer.

Frankfurt – Für die Klasse 6 d der Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt-Goldstein geht ein Traum in Erfüllung: Sie können Unterricht im Freien machen. In ihrer Projektwoche haben sie sich ein Freiluft-Klassenzimmer gebaut. Von Silke Gottaut

Judith Kolb

Ein außergewöhnliches Vogelnest sieht man auf dem Schulgelände. Es ist ein Klassenzimmer im Freien. Es hat einen Durchmesser von sechs Metern, ist zweieinhalb Meter hoch und besteht aus jeder Menge Holz und drei gelben Sonnensegeln. Damit es noch gemütlicher ist, sind drei Kubikmeter Sand auf dem Boden verteilt. „Man hat das Gefühl, dass man am Strand ist“, sagt Victoria. Auch Emely freut sich über den tollen Sand: „Am liebsten würde ich mich mit einem Handtuch hinlegen und mich ausruhen.“ Doch dafür ist das Freiluft-Klassenzimmer nicht da. Obwohl keine Tafel und keine Tische in dem Freiluft-Klassenzimmer sind, hält Klassenlehrerin Judith Kolb Unterricht mit ihrer Klasse dort ab. „Damit die Kinder gut schreiben oder malen können, benutzen wir Klemm-Bretter“, erklärt Kolb. „Für den Kunst-Unterricht eignet sich die Atmosphäre im Freien sehr gut. Die Kinder holen sich so viel Inspiration.“

An zehn Freitagen haben die Schüler Skizzen und Modelle für ein Freiluft-Klassenzimmer entworfen und zusammen mit Christina Budde vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt besprochen. Anschließend wurde eine Woche kräftig in die Hände gespuckt: Boden ausheben, Holz sägen, bohren, Nägel reinhauen, Holz lackieren und Sand ausstreuen stand auf dem Projekt-Plan.

Das Bauen machte sehr viel Spaß. Ich habe viele Nägel in die Bretter gehauen“, berichtet Nora. „Ich habe viel gebohrt und die Balken befestigt. Wir mussten den ganzen Sand in Eimern und Tüten schleppen, das war anstrengend, aber auch sehr lustig“, sagt Lena. „Und jetzt ist es toll, an der frischen Luft auf Holz-Hockern zu sitzen.“ Maria hatte ebenfalls viel Freude beim Bauen. Sie hatte die Aufgabe, bei den Sonnensegeln zu helfen: „Da musste man ganz genau sein, damit die Segel alle gleich hoch hängen.“

Kolb unterrichtet ihre Schüler seit dem fünften Schuljahr. Die Klasse folgt einem besonderen Konzept: Dem einer Kreativ-Klasse. „Sie haben erweiterten Kunstunterricht und eine Stunde mehr Kunst in der Woche, als die anderen Klassen. Dazu machen wir noch mehrere Projekte mit verschiedenen Kunstmuseen.“ Auch wenn es nicht mehr so warm ist, wird die Klassenlehrerin mit ihren Schülern Unterricht im Freien machen: „Auch im Herbst und Winter werde ich mit den Kindern das ein oder andere Mal mit einem warmen Jäckchen draußen sein.“ Der Bau des Vogelnestes kostete trotz Spenden des Museums und fleißigen Holz-Sammlern noch 1000 Euro.

Eine Ausstellung zu dem Freiluft-Klassenzimmer-Projekt ist ab Dienstag, 9. Oktober, im Deutschen Architekurmuseum in Frankfurt, Schaumainkai 43, zu sehen.

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