Unsexy Berufe: Nix zum prahlen !

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Fleischereifachverkäuferin Dina Kirchner gefällt ihr Job im Edeka-Center in Offenbach. Foto: map
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Region Rhein-Main – Von Mechatroniker bis Textilgestalter: Pünktlich zum Ausbildungsbeginn am 1. August starteten rund 15.000 Auszubildende ins Berufsleben. Jobs wie Metzger, Koch oder IT-Berater sind bei den Jugendlichen aber nicht mehr angesagt. Manche Handwerksberufe drohen deshalb auszusterben. Von Mareike Palmy

„Es muss schon cool klingen“, sagt Annett Munterer von der IHK Frankfurt/Main-Taunus. Für junge Bewerber gehe es bei der Berufswahl ganz oft um das Image bei den Freunden. Eine Stelle als Glaser haue heutzutage niemanden mehr vom Hocker. Bestimmte Berufe wie Schreiner, Chemikant oder Bäcker seien für die Jugendlichen einfach „nicht attraktiv“ genug, weiß auch Frank Martin, Regionalchef der Bundesagentur für Arbeit in Hessen. Unangenehme Arbeitszeiten und eine ungenaue Vorstellung des Berufes, machen es schwierig junge Leute für das aussterbende Handwerk zu begeistern. „Wenn die Freunde um die Häuser ziehen können, während man selbst noch schuften muss, verliert ein Beruf für viele schon die Anziehungskraft“, weiß IHK-Sprecherin Munterer. Das liege vor allem am Wandel der Einstellung der Jugendlichen. Berufe wie Drechsler, Kohlenhändler oder Messerschmied wird es deshalb bald nicht mehr geben.

Handwerksberufe sterben aus

„Wir bilden seit rund zehn Jahren keine Schmiede mehr aus. Jugendliche scheuen die harte körperliche Arbeit an der heißen Esse. Das ist ein Knochenjob und vielen zu anstrengend“, sagt Thomas Kuhne, Geschäftsführer der Offenbacher Stanzwerkzeugfabrik.

Auch der Frankfurter Kohlenhändler Hans Herford aus Bornheim kennt das Problem: „Wir bilden nicht mehr aus. Es gibt einfach keinen Nachwuchs. Die jungen Leute wollen sich nicht mehr die Hände schmutzig machen. Kohle gibt es auch eingetütet im Baumarkt.“

Für Siglinde Fassauer, Inhaberin von Schirm-Rhotert am Frankfurter Liebfrauenberg ist Massenproduktion und das Desinteresse für ihre Branche ein echtes Problem. Kaum einer geht noch in ihr Schirmfachgeschäft, das es schon seit 160 Jahren in der Innenstadt gibt. „Wenn ich keinen Nachfolger finde muss ich schließen“, sagt die Witwe des letzten Schirmmachermeisters in Frankfurt.

Die mangelnde Bereitschaft potentieller junger Arbeitskräfte versteht Dina Kirchner nicht. „Ich hatte anfangs zwar auch Berührungsängste, aber heute arbeite ich gerne als Fleischereifachverkäuferin“, sagt die Dietzenbacherin. Ihren Freunden hat sie bei Ausbildungsbeginn trotzdem nicht die ganze Wahrheit erzählt: „Ich habe einfach nur erwähnt das ich eine Ausbildung zur Verkäuferin mache, aus Angst vor blöden Kommentaren“, so die 22-Jährige. Seit Oktober arbeitet sie im Edeka-Center in Offenbach hinter der Fleisch- und Wursttheke. Mit blutverschmierter Schlachterei hat das wenig zu tun. „Ich kann jedem nur empfehlen flexibel zu sein, bei mir hat es sich gelohnt“, so Dina Kirchner.

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Mareike Palmy

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