Hilfsangebote verzeichnen immer größeren Zulauf

Nicht alle Abiturienten sind dem Studium gewachsen

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Immer mehr Studienanfänger kommen mit dem Übergang von der Schule zum Studium nicht zurecht.

Region Rhein-Main – Immer mehr Studienanfänger sind überfordert. Experten gehen davon, aus, dass viele nicht mit dem Übergang von der Schule zur Uni klarkommen. Das merkt auch das Beratungszentrum des Studentenwerks Frankfurt. Von Dirk Beutel 

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Ausbildung ist keine Sackgasse"

Vom Klassenzimmer direkt in den Hörsaal. Viele Studienanfänger kommen mit diesem Übergang in eine neue Lebensphase nicht zurecht. Das merkt auch das Beratungszentrum des Studentenwerks Frankfurt. Erschöpft, überfordert, ratlos: Vor allem den Stundenplan, mit Jobben, Pauken, Prüfungen und Freizeit unter einen Hut zu bekommen, strapaziert viele der Nachwuchsakademiker. Doreen Hörr, Leiterin des Beratungszentrums: „Für viele ist es ein Problem, dass sie plötzlich auf sich gestellt und verantwortlich sind. Und genauso werden sie auch im Hörsaal behandelt.“ Das verunsichere viele Studienanfänger.

Und es werden immer mehr: In diesem Wintersemester haben die hessischen Hochschulen einen neuen Höchststand verzeichnet. 237.800 Studierende sind immatrikuliert, ein Plus um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahres-Wintersemester. Dazu kommt, dass sich die Lage ohnehin dadurch verschärfe, dass das Betreuungsangebot pro Student immer geringer ausfalle. „Man kann schon von einer Massenabfertigung sprechen“, sagt Hörr.

Zu hohe Erwartungen

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„Viele sind mit zu hohen oder falschen Erwartungen an ihr Studium herangegangen. Da wachsen schnell Stress und Zweifel“, sagt Nina Müller, Psychologin und Mitarbeiterin in der psychosozialen Beratung in Frankfurt. Zumal nicht jeder Abiturient für ein Studium geeignet sei. Doch sowohl die Schulen als auch die Eltern vermittelten die Vorstellung, dass man nur mit einem Studienabschluss einen sicheren Arbeitsplatz und ein hohes Gehalt sicher hätte. Hörr: „Wir können bei dieser Entwicklung nur im Kleinen eine Kurskorrektur vornehmen, weil diese Entwicklung politisch so gewollt ist.“

Kein Wunder also, dass Hilfsangebote des Studentenwerks wie Stressbewältigungstraining, Kurse für Studienfachabbrecher, Selbstorganisation und Motivation oder Prüfungsangstbewältigung (Kosten zwischen 15 und 25 Euro) Hochkonjunktur haben. „Schon in den Mittelstufen müsste man Schüler über die Entscheidung Studium oder Ausbildung aufklären. Doch bis dahin reicht unser Arm nicht“, sagt Hörr.

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