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Ungeladene Gäste: Viel mehr Wespen in diesem Jahr

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Wespen beim Kaffeeklatsch lösen oft Unbehagen aus. Dabei sind die Tiere weniger gefährlich, als viele glauben.
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Region Rhein-Main – Sie besuchen in größerer Anzahl die Grillparty und wirken doch irgendwie kleiner. Wespen schwirren 2015 respektloser um den Strudel, nippen ohne zu fragen an der Coke, erkunden frecher das Grillsteak. Was ist bloß mit den Insekten in diesem Sommer los? Von Oliver Haas.

Sie sind nicht eingeladen, tauchen trotzdem in diesem Sommer besonders penetrant zu jeder Grillparty und jedem Kaffekränzchen in Scharen auf: Wespen haben nach wie vor einen miesen Ruf und erweisen sich 2015 als besonders hartnäckig und aggressiv. Oder ist das nur subjektives Empfinden? Wespenexperte Peter Tauchert aus Jügesheim im Kreis Offenbach sagt dazu: „Von Aggressivität kann man bei Wespen nicht sprechen. Unter dem Motto ,Tu du mir nichts, tu ich dir nichts´ wird keine Aggressivität oder gar Verteidigung entstehen.“ Allerdings bestätigt er, dass es im Sommer 2015 vermehrt Wespenflug gibt und sie sich dementsprechend öfter als ungebetene Gäste an die Speisetische gesellen. Dadurch, dass es einige übliche Kälteperioden im Frühjahr nicht gegeben habe, ist eine größere Wespenpopulation als sonst entstanden. Es sei auf jeden Fall ein Prachtjahr für Wespen. „Aber von einer Plage würde ich noch nicht sprechen“, so Tauchert. Es sei ohnehin noch nicht die Zeit, dass man in Biergärten oder Eisdielen beflogen wird. Das wird ab ungefähr Mitte August kommen. „Zu diesem Zeitpunkt sind die Nester der Deutschen- und Gemeinen, das heißt gewöhnlichen, Wespe auf dem Höhepunkt angelangt“, erklärt der Experte.

Wespen suchen Menschen nach Insekten ab

„Als Jäger nach Insekten ,scannt´ eine Wespenarbeiterin die Natur. Und natürlich trifft sie auch auf Menschen und untersucht den Körper nach Insekten wie Fliegen, die die Tiere normalerweise an Haustieren wie Schweine und Kühe finden“, so Tauchert. Natürlich verfängt sich eine Wespe dabei mal in den Haaren oder gerät unter luftige Kleidung. Auch wenn´s schwer fällt: Er rät dabei entspannt zu bleiben. Denn: „Wird sie dabei gedrückt, kommt es zu einem Stich. In der Regel hilft Ruhe bewahren und die Wespe fliegt, auf der Suche nach Beute, einfach weiter.“

Auffällig ist in diesem Jahr, dass Wespen etwas kleiner erscheinen als sonst. Hierfür hat Tauchert folgende Erklärung parat: „Es kann gut möglich sein, dass Hitze zu einem geringeren Wachstum beiträgt. Ein Wespennest hat eine Temperatur von etwa 30 Grad. Bei extremer Hitze müssen die Arbeiterinnen das Nest kühlen, indem sie Wasser etwa aus Gartenteichen tanken und damit die Waben benetzen. Durch Fächern mit den Flügeln verdampft das Wasser und kühlt das Nest runter.“ Und diese „Klimanlage“ muss in diesem Sommer besonders intensiv betrieben werden. Dadurch komme natürlich weniger Futter ins Nest, die Larven fallen kleiner aus und somit auch die ausgewachsenen Tiere.

Übrigens: Wer Wespen zu verstehen geben will, dass sie kein Gast der Party sind, für den hat Tauchert diesen Tipp parat: „Zitronen halbieren, mit Gewürznelken spicken und diese in einer Schale hinstellen. Auf Wespen wirkt die Duftkombination Zitrone und Nelke ekelhaft und abstoßend.“

Oliver Haas

Oliver Haas

E-Mail:oliver.haas@extratipp.com

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