Krieg auf der Straße

Zweiradfahrer: Wir sind Hassobjekt der Autofahrer

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Weil sie zu langsam sind, werden Rollerfahrer häufig von ungeduldigen Autofahrern überholt.

Region Rhein-Main – Seit Beginn des Frühjahrs erschüttern immer wieder schwere Unfälle mit dem Motorrad oder Roller die Region. Zweiradfahrer gehen jetzt auf die Barrikaden. Von Fabienne Seibel 

„Die Autofahrer haben ständig das Hassbild der Zweiradfahrer vor Augen und fahren deshalb aggressiv und ruppig“, sagt Susanne Pelgrim. Die 49-Jährige vom Vespa-Club Frankfurt fährt schon seit 20 Jahren Motorrad und Roller. Sie ist überzeugt: „Auf der Straße herrscht Krieg zwischen Auto- und Motorradfahrern.“

Erst am Freitag vor einer Woche ließ wieder ein Motorradfahrer an der Wildhof-Kreuzung zwischen Heusenstamm und Neu-Isenburg bei einem Unfall sein Leben. Während die Polizei die Unfallzahlen der Region in den vergangenen Jahren als „nicht auffällig hoch“ bezeichnet, hat Pelgrim auf ihren Touren durchs Rhein-Main-Gebiet schon andere Erfahrungen gemacht. Zweirad,- und vor allem Motorradfahrer scheinen schier verhasst bei Autofahrern zu sein. „Viele drängeln sich eng an einem vorbei, weil sie unbedingt überholen wollen. Dabei wird man abgedrängt, und es wird schnell gefährlich. Mir ist das selbst schon passiert.“

Aggressives Fahrverhalten

Auch Christine Maurer, Besitzerin der Vespa-Werkstatt Vespenstich in Frankfurt, sagt: „Kleinradfahrer werden auf der Straße nicht für voll genommen.“ Die 38-Jährige fährt selbst schon 20 Jahre Motorrad, seit zehn Jahren Vespa und meint: „Die Leute fahren mit dem Auto viel zu aggressiv, und die Geduld fehlt. Da hat man als Zweiradfahrer oft das Nachsehen.“ Besonders Fahrer eines auf 45 Stundenkilometer gedrosselten Motorrollers sind Maurer zufolge in Gefahr. „Wegen der geringen Geschwindigkeit wird man oft überholt, abgedrängt oder falsch eingeschätzt.“

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Gerhard Zuleger, Blechrollerfahrer aus Frankfurt, fügt hinzu: „Mit 45 ist man zu langsam für den fließenden Verkehr. Fast jeder Autofahrer fährt mal ein paar Stundenkilometer zu schnell, und Rollerfahrer sind dann ein Hindernis.“ Maurer: „Viele sind hinterm Steuer zu gestresst und hektisch, deshalb wird man schnell übersehen.“ Pelgrim mahnt deshalb: „Auf einem Roller oder dem Motorrad muss man defensiv fahren und auch für die Autofahrer mitdenken. Auffällige Kleidung und Fahren mit Licht sind da das Mindeste.“ In Sachen Rollerfahrer sind sich Maurer und Zuleger einig: „Der Gesetzgeber ist gefragt. Mit Tempo 45 ist man zu langsam für den fließenden Verkehr. Schnell bekommt man von ungeduldigen Fahrern die Vorfahrt genommen, und es kracht.“

Hier geht`s zum Kommentar "Neues Tempo für Rollerfahrer"

Um weitere Unglücke zu vermeiden, ist laut Pelgrim eine andere Einstellung nötig: „Im Straßenverkehr muss man sich gegenseitig respektieren und umsichtig sein. Es ist nicht zuviel verlangt, mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen. Durch Übermut und Provokation kann in ein paar Sekunden alles zu Ende sein.

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