Umfrage spricht eindeutige Sprache

Sind alle jungen Juristen für die Todesstrafe?

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Todesspritze? Nicht in Deutschland! Die Mehrheit lehnt Todesstrafe und Folter ab.

Region Rhein-Main – Obwohl lange abgeschafft, befürworten Jura-Studenten an den Unis Erlangen und Konstanz die Todesstrafe und den Einsatz der Folter. Welche Schlüsse muss man daraus ziehen, und wie sieht das der Jura-Nachwuchs in Frankfurt?. Von Dirk Beutel 

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Dieses Ergebnis ist erschütternd! Laut einer nicht repräsentativen Studie befürwortet jeder dritte Jurastudent im ersten oder zweiten Semester die Todesstrafe. Jeder zweite die Anwendung von Folter. Zumindest ist das das Ergebnis einer Studie des Strafrechtsprofessors Franz Streng. Seit 1989 legt er seinen Studenten in Erlangen und Konstanz den selben Fragebogen vor. Auffällig: Die Zustimmung für Todesstrafe und Folter habe sich rasant erhöht. Und das beim Juristen-Nachwuchs! Obwohl es ein grundgesetzliches Verbot der körperlichen oder seelischen Misshandlung festgehaltener Personen gibt. Folter und Todesstrafe verstoßen gegen die Verfassung. Was ist mit unserem Juristen-Nachwuchs los? Wird Vergeltung wieder salonfähig?

Frankfurter Jura-Studenten diskutierten Studie heftig

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Bei den Jurastudenten in Frankfurt wurde die Studie auch wahrgenommen und heftig diskutiert. Flavia Schadt, Sprecherin der Fachschaft Jura an der Goethe-Universität kann das Ergebnis nur so erklären: „Es handelt sich dabei um junge Menschen zwischen 17 und 20 Jahren. Das sind noch keine Studenten, die reflektieren können, sondern fast noch Abiturienten“, sagt sie. In Frankfurt gehöre das Fach Kriminologie im ersten Semester auf den Studienplan, was bei den Studienkollegen wohl nicht der Fall gewesen sei. Dort werden Prävention, Abschreckung, Resozialisierung gelehrt. „Man bekommt ein Verständnis für Strafen, deren Zweck und ein Gefühl dafür, warum Menschen straffällig werden“, sagt Schadt.

Obgleich die Studie beim Deutschen Anwaltsverein (DAV) unbekannt sei, könne man deren Ergebnis nicht nachvollziehen: „Die Todesstrafe liegt für Juristen außerhalb der Vorstellungskraft. Es gehört zu dem Grundverständnis, dass das Leben unantastbar ist“, sagt Sven Walentowski, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DAV: „Sollte es Defizite geben, müssten die Grundwerte der Verfassung noch intensiver gelehrt werden.“ Das sieht Professor Christian Pfeiffer ähnlich, denn: „Todesstrafe oder Folter ist in Deutschland kein Thema.“ Der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes in Hannover beruft sich auf eigene Studien. Er weiß dabei um die Bedeutung der Erziehung und Wertevermittlung: „Wer gewaltfrei und liebevoll erzogen wurde, lehnt Todesstrafe oder Folter ab. Wer repressiv erzogen wurde, befürwortet sie eher.“

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