Neuer Szeneführer über Reiz und Charme des Stadtteils

Ulrich Mattner zeigt sein Bahnhofsviertel

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Nirgendwo umgarnen mehr Frauen ihre Gäste als im Pure Platinum.

Frankfurt – Zwischen Prostituierten, Fixern und Obdachlosen pulsiert das bunte Leben im Bahnhofsviertel. Journalist Ulrich Mattner hat in einem Buch Augenblicke festgehalten, die den Frankfurter Kiez so wertvoll machen. Von Dirk Beutel

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An diesem Ort treffen Rot- und Blaulicht aufeinander. Dort findet man gebrauchte Spritzen am Wegrand ebenso wie angesagte Szeneküche. Nirgendwo in der Stadt ist Frankfurt so vielseitig, so international und auch so anrüchig wie im Bahnhofsviertel. Ein Ort der Kontraste. Diesen besonderen Charme hat der Journalist Ulrich Mattner erkannt und in seinem neuen Buch „Im Frankfurter Bahnhofsviertel - 50 Highlights für Szenegänger“ festgehalten.
Doch wer glaubt, es handele sich bei dem 224 Seiten dicken Werk um eine Art Sexführer, der irrt. Es ist viel mehr. Es ist eine Landkarte, ein Kompass für Menschen, die den Reiz von Frankfurts einzigem Kiez erkannt haben, aber sich nie getraut haben, ihn wirklich kennen zu lernen. Das Besondere an dem Buch ist, dass es authentisch ist, denn der 54-Jährige ist selbst ein Teil von Frankfurts geiler Meile. Etwa fünf Jahre hat er gebraucht, um sich das Vertrauen des Milieus, der Menschen, die dort arbeiten, die dort leben, zu erarbeiten. Nur so konnten Fotografien entstehen und Geschichten erzählt werden, die wahrhaftig, ehrlich und ungeschönt daherkommen.

So gibt es dort einen der wohl liebenswertesten Stützpunkte für Fans der Frankfurter Eintracht, wie die St. Tropez-Bar. Eine Art Wiedergeburt feiert die gegenüberliegende Terminus Klause. „Das ist in letzter Zeit zum neuen Treff für Künstler und Kreative geworden“, sagt Mattner. Oder Big Mamas African Shop, in dem man ein Sammelsurium findet, wie es Kunden aus Nigeria, Ghana und Kamerun nur von daheim kennen. Nicht zu vergessen das Café Irfan, wo es den besten Tee im Viertel gibt. „Der Tee ist so gut, dass er sogar über die Straße zu anderen Geschäften gebracht wird“, sagt Mattner. Ein echter Geheimtipp. Dazu zählt auch der kulinarische Genuss des Kiez schlechthin: „Die beste Currywurst überhaupt gibt es im Taunus 25“, sagt Mattner. Inhaber Peter Jung hat selbst jahrelang als Türsteher gearbeitet und ist großer Currywurstfan. Als er an das Rezept eines renommierten Sternekochs kam, eröffnete er sein eigenen Laden. Und er verspricht: „Ich rühre die Soße selbst an.“

Sicherer als in der Innenstadt

Neben all den Tipps, die Mattner entdeckt hat, bleibt die Erotik, die das Viertel zu bieten hat, nicht aus. Das Crazy Sexy ist, gemessen an seinen 180 Zimmern, das größte Bordell in Deutschland. Nicht weit weg von dem Ort der Sünde, findet man das My Way. Eine Bar mit einem eigenen Konzept. „Rotlicht light“, nennt Mattner das. Dort kümmern sich Animierdamen zwischen 23 und 47 Jahren darum, dass der Getränkeumsatz stimmt. Im Separée wird gestrippt aber mehr läuft nicht, betont Inhaberin Claudia Kleck. „Es gibt kein Happy End.“ Wer dort in Ruhe Fußball auf dem großen Fernseher sehen möchte, wird in Ruhe gelassen. Dort gibt´s das Bier für 3,50 Euro wie den Champagner für 300 Euro. Probleme mit Kriminalität kennt Kleck nicht. „Wenn etwas nicht stimmt, ist die Polizei ruckzuck hier. Wir sind hier sicherer, als in der Innenstadt.“

Diese positive Entwicklung hat aber auch eine Kehrseite: Denn längst hat der Kiez seinen großen Schrecken verloren. Mittlerweile zieht er neben kreativen Köpfen auch vor allem Spekulanten und Kapitalanleger an, die im Viertel investieren wollen. Mattner: „Das ist städtebaulich völlig normal und im Grunde Sache der Stadt. Wenn man das Bahnhofsviertel – so wie es ist – erhalten möchte, muss man dem aber entgegenwirken.“

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