Informiert, wo sich Kinder aufhalten

Überwachungs-App für besorgte Eltern  

+
Mit der neuen App Familonet werden Eltern per GPS-Signal informiert, wo sich ihr Kind aufhält. 

Region Rhein-Main - Wo ist mein Kind? Ist es gut in der Schule angekommen? Eine neue Handy-App soll Eltern Sicherheit geben. Psychologen nennen es Kontrollwahn. Von Silke Gottaut

 „Piep Piep“ macht es bei Mamas Handy, wenn Luisa die Schule um 7.45 Uhr betritt. Und das, obwohl Luisas Handy im Ranzen verstaut ist und sie es nicht einmal in der Hand hat. „Piep Piep“ macht es um 13.07 Uhr, wenn Luisa die Schule verlässt. „Piep Piep“ um 13.30 Uhr. Luisa ist beim Flöten angekommen. Und so geht es weiter, bis Mamas kleiner Liebling wieder heil zu Hause ist.

Die App Familonet macht es seit zirka zwei Wochen möglich: Eltern bekommen per GPS-Signal eine Nachricht auf ihr Smartphone, wann und wo sich ihr Kind gerade aufhält. Für Psychologen ist dies Kontrollwahn: „Big Brother is always watching you“, sagt Psychologin Sabine Windmann von der Uni Frankfurt: „Dieses Kontrollgefühl bekommen Kinder durch die App vermittelt. Außerdem haben Kinder ab einem gewissen Alter zu gewissem Grade das Recht auf kleine Geheimnisse, beziehungsweise auf Selbständigkeit.“

Recht auf Selbstständigkeit

Doch eine Überwachungsfunktion soll die App aus Sicht der drei Hamburger Erfinder nicht haben: „Wir wollen keine Kontrolle vermitteln, sondern die Ängste der Eltern mindern“, erklärt der 26-jährige Student Hauke Windmüller: „Aus eigener Erfahrung kennen wir die peinlichen ‘Wo bist du?’-Anrufe von Mutti. Diese wollen wir durch die App verhindern. Die Kommunikation wird nicht mehr, nur moderner.“

Aufenthaltsort abfragen

Lesen Sie auch:

Die EXTRA TIPP-App kostenos aufs Handy

Frankfurter Feuerwehrmann entwickelt Notfall-App

Jugendliche Räuber haben es auf Smartphones abgesehen

So funktioniert die App Familonet: Jedes Familienmitglied lädt sie sich runter. Dann werden bestimmte Adressen, wie zum Beispiel von Schule, Freunden oder Freizeitaktivitäten festgelegt und gespeichert. Sobald ein Familienmitglied an diesen Ort gelangt oder sich von dort wieder fortbewegt, bekommen alle automatisch eine Nachricht. Es ist jedoch nicht möglich, jederzeit zu sehen, wo die Person sich aktuell aufhält. Dafür gibt es den „Wo bist du?“-Button. Die Person wird aufgefordert per „Ich bin hier“-Klick zu sagen, wo sie sich aufhält.

Professor Holger Horz vom Fachbereich Pädagogische Psychologie der Uni Frankfurt hält diese App für ungeeignet: „Sie dient in erster Linie der sozialen Überwachung. Sie wird wahrscheinlich von sogenannten Helikopter-Eltern genutzt, die eine umfassende Kontrolle ihrer Kinder erreichen wollen.“ Der Familienvater erläutert außerdem, dass Kinder dadurch eher gehemmt werden, eigenständig zu werden und dies daher ein falscher Erziehungsinhalt ist.

Mehr zum Thema

Kommentare