Überfall führte zu Tanzkarriere

Offenbach-Post

Rhein-Main - Frankfurt – Er tanzt, seit er 13 ist. Es ist für ihn wie eine Droge. Hicham Mohib (26) ist Hip-Hopper mit Leib und Seele. Nur wie er zu seiner Tanzkarriere kam, war alles andere als alltäglich. Von Frederick Bausch

Seine klare Stimme dröhnt übers Parkett: „Eins, zwei, drei – Step – und vier!“ Hicham Mohib (26) führt die Choreografie vor, während die zwölf Jugendlichen hinter ihm seinen Kommandos exakt Folge leisten. Jeder Schritt sitzt, jede Drehung passt. Und die Jungs und Mädels, zumeist aus Familien mit Migrationshintergrund, haben sichtlich Spaß dabei.

Die Tanzschule Weber, mitten im Stadtteil Höchst gelegen, ist bekannt dafür, sich speziell mit außergewöhnlichen Tanzprogrammen an Jugendliche zu wenden. Hier werden Nischenkurse wie Dance4Fans, Videoclip Dancing, Hip-Hop oder Jazz & Modern unterrichtet und das klassische Turniertanzprogramm ganz bewusst ausgeklammert.

Hicham Mohib kam auf kuriose Weise zum Tanzen. Als 13-Jähriger sollte er Opfer eines Straßenraubes werden. Doch als seine potenziellen Angreifer erkannten, dass er sich für Breakdance und Hip-Hop interessierte, schlug die Stimmung um, und sie luden ihn ein zu regelmäßigen Jam-Sessions in Parkhäusern. Das gefiel Hicham so gut, dass er vor sieben Jahren den ersten Tanzkurs in der Tanzschule Weber absolvierte und aufgrund seiner außergewöhnlichen Begabung dazu überredet wurde, als Tanzlehrer dort zu arbeiten: „Ich fühlte mich sofort wohl und wollte andere Kids für die Musik und die Hip-Hop-Kultur begeistern.“

Anja Hoepfner, Geschäftsführerin der Tanzschule, schwärmt von ihrem Zögling: „Hicham ist unglaublich talentiert. Auch darin, andere Leute mitzureißen. Und er kennt sich bestens im Hip-Hop aus, da hat quasi jeder Schritt und jede Bewegung eine ganz spezielle Bedeutung.“

Doch für Hicham ist Hip-Hop mehr. Fußball hat ihn nie interessiert wie andere Kumpels in seinem Alter. Aber das war ihm schon immer schnuppe. Wenn er durch die Höchster Altstadt streift, spricht er sogar Jugendliche an, ob sie nicht Lust hätten, zu tanzen, anstatt den lieben langen Tag herumzulungern. „Und ich bin jedes Mal überrascht, wie viele Jugendliche sich von mir begeistern lassen und zu einem Schnupper-Training bei uns vorbeischauen“, gibt er zu. Kein Wunder, denn wenn jemand mit so viel Herzblut bei der Sache ist, ist der Erfolg programmiert: „Wenn ich morgens aufwache, denke ich an nichts anderes als Musik und Tanzen. Und wenn ich abends einschlafe, denke ich nur an Musik und Tanzen. Noch Fragen?“

Der Frankfurter mit holländischen und marokkanischen Wurzeln hat sein Hobby zum Beruf gemacht: „Beim Tanzen vergesse ich alles um mich herum.“ Fotos: nh

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