Im Winter beliebtes Angriffsziel

Überfälle auf Taxis: Gewaltbereit für ein paar Euro Diebesgut

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Oft bewaffnet und brutal gehen Taxiräuber vor.
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Region Rhein-Main - Berufsrisiko Überfall: Taxifahrer werden im Winter wieder zu beliebten Angriffszielen von Kleinkriminellen. Und das, obwohl sich ein Raubzug überhaupt nicht lohnt. Von Dirk Beutel

Sie werden bedroht, gewürgt und manchmal sogar getötet. Taxifahrer haben einen gefährlichen Job. Trotz gestiegener Sicherheitsmaßnahmen sind sie immer noch ein beliebtes Ziel für Diebe, Chaoten und Gewalttäter.

Rückblick 15. September, Offenbach: Gegen neun Uhr nimmt ein 42-jähriger Taxifahrer am Ostbahnhof einen Fahrgast auf. Auf der Fahrt nach Tempelsee gerät man über den Fahrpreis in Streit. Plötzlich wird der Fahrgast handgreiflich, würgt ihn, sticht ihm mit einem Messer in den Oberschenkel.

Einige Tage später überfallen fünf bislang noch unbekannte Täter eine Taxe und erbeuteten ebenfalls ein Handy und 200 Euro Bargeld, nachdem sie den Fahrer in eine Falle gelockt und ihn mit einer Pistole bedroht hatten.

Dunkelheit erleichtert Überfälle

Zuletzt erwischt es einen Taxifahrer vor anderthalb Wochen. Ebenfalls Offenbach. Plötzlich wird er von hinten von einem Fahrgast umklammert, während sein Komplize vom Beifahrersitz aus nach dem Portemonnaie des Fahrers sucht. Weil er die Geldbörse aber nicht findet, begnügt er sich mit dem Handy des Opfers. Immer wieder müssen Taxifahrer auf der Hut sein und mit einem Überfall rechnen. Vor allem jetzt in der dunklen Jahreszeit. „Wie bei Haus- oder Wohnungseinbrüchen macht die Dunkelheit einen Überfall leichter“, sagt Andrea Ackermann, Sprecherin des Polizeipräsidiums Südosthessen. In Frankfurt wurden in diesem Jahr bislang fünf Taxi-Überfälle angezeigt.

Der deutsche Taxi- und Mietwagenverband bestätigt: Praktisch täglich wird ein Taxifahrer in Deutschland auch körperlich Opfer eines Überfalls. „Wer ein Taxi überfällt, handelt oft brutal. Das ist aber schlichtweg dumm. Da die Aufklärungsquote der Polizei sehr hoch ist. Das Risiko geschnappt zu werden, ist einfach zu hoch. Zumal die Fahrer eben aus Sicherheitsgründen nie große Summen mit sich tragen. Das macht einen Überfall umso lächerlicher“, sagt Frederik Wilhelmsmeyer, stellvertretender Geschäftsführer des deutschen Taxi- und Mietwagenverbands. Dennoch bleibt das Taxi vor allem für Kleinkriminelle und Drogensüchtige reizvoll: „Ein Raub auf Taxifahrer wird als Möglichkeit schnelles Geld zu machen gesehen“, sagt Sascha Newiadomsky vom Frankfurter Polizeipräsidium. Doch viele Fahrer blenden die Gefahr aus. Vor allem die Kollegen in der Nachtschicht. Wilhelmsmeyer: „Es gibt kostenlose Sicherheitsschulungen, die zwar genutzt werden, das könnte aber sicherlich deutlich öfter getan werden.“

Bislang keine Kameraüberwachung in Hessen

Ein Blick auf die Überfallstatistik zeigt: Seit 2008 sind bundesweit die Zahlen rückläufig. Denn etwa seit dieser Zeit haben vor allem in den Städten Taxiunternehmen ihre Fahrzeuge mit einem GPS-Ortungssystem und mit einem GPRS-Datenfunk ausgerüstet, der es den Fahrern möglich macht, Alarm zu schlagen. Egal wo sie sind, außerhalb der Stadtgrenze oder etwa in einem Tunnel.

In Bremen ist man sogar noch einen Schritt weiter. Dort sind alle Taxen kameraüberwacht. Prävention pur. Doch davon ist man in Hessen noch entfernt. „Weil die Datenschutz-Lage hier weiter unklar ist, bleiben Taxen im Rhein-Main-Gebiet wohl vorerst noch ohne Kameraüberwachung“, sagt Wilhelmsmeyer.

Dirk Beutel

Dirk Beutel

E-Mail:dirk.beutel@extratipp.com

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