Tüfteln und schrauben auf der Straße

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Gefährlich: Auf dem Zubringer zur A5 am Frankfurter Flughafen schaut ADAC-Mitarbeiter Martin Hofmann in den Motorraum.

Region Rhein-Main – Klemmende Cabriodächer, eingeschlossene Schlüssel – das sind für den ADAC alltägliche Pannen im Sommer. Gerade an Wochenenden in der Urlaubszeit sind die Gelben Engel gefragt. Der EXTRA TIPP hat Straßenwächter Martin Hofmann bei einer Wochenend-Nachtschicht begleitet. Von Ingrid Zöllner

Martin Hofmann tauscht die Batterie aus.

Kaum hat ADAC-Straßenwächter Martin Hofmann den Motor seines Einsatzwagens gestartet und auf dem Bildschirm seinen Arbeitsbeginn um 17 Uhr bestätigt, ertönt ein Signal. Auf dem Monitor blinkt eine Meldung auf, der erste Einsatz von der Zentrale in Groß-Gerau. An der Anzeige kann Hofmann erkennen, um welchen Wagen es sich handelt und welche Probleme gemeldet sind.

In einem Offenbacher Mercedes liegt der Autoschlüssel im Kofferraum. Mit Luftkissen verschafft sich Hofmann einen Spalt an der Fahrertür, durch den er einen Draht schiebt. Mit Fingerspitzengefühl erwischt er den Griff. Kurze Zeit später ist die Tür offen, aber noch nicht der Kofferraum, der separat geschaltet ist. Eigentlich müsste er nur zwei Sicherungen ziehen und wieder einsetzen, doch es funktioniert nicht. Ein Anruf nach München klärt den Fall: Beschrieben sind die falschen Sicherungen. Jetzt dauert es nur Sekunden, schon klackt das Schloss. Spontan umarmt der erleichterte Taxifahrer den Helfer.

Im Schnitt erreichen den ADAC täglich in Frankfurt, Stadt und Kreis Offenbach um die 6000 Meldungen. 35 Gelbe Engel kümmern sich um die Pannen im heimischen Gebiet; 175 sind es in ganz Hessen. Der ADAC ist stolz auf seine Erfolgsquote: Die Helfer machen 87 Prozent der Autos wieder fahrbereit.

Ein „Sommerproblem“ erwartet Hofmann auf dem Lohrberg in Frankfurt. Das Cabriodach eines Peugeot lässt sich weder öffnen noch schließen. Wie das schwere Metalldach manuell geschlossen wird, steht in der Betriebsanleitung. Doch selbst für den Profi ist das kein einfaches Unterfangen. Mit vereinten Kräften gelingt es ihm und der Besitzerin, das Dach aus dem Kofferraum zu holen und einrasten zu lassen. In die Werkstatt muss der Wagen trotzdem, damit die Elektronik eingestellt wird. Nach jeder abgewickelten Panne nimmt Hofmann die Mitgliedsnummer und die Daten des Fahrzeugscheins auf. „Ich verzeichne, welches Modell es war, den Kilometerstand, was gemacht wurde und ob der Wagen wieder fahrtüchtig ist“, erklärt er. Die Ergebnisse fließen später in die ADAC-Pannenstatistik ein.

Inzwischen dämmert es. Es ist 22.15 Uhr, als Hofmann wegen mehrerer Pannen zum Flughafen gerufen wird. Ein Renault ist auf einem Zubringer zur A5 liegen geblieben. Kein Tropfen Benzin mehr. Grund: Der Kraftstoffschlauch hat sich gelöst. Der gelbe ADAC-Wagen steht zur Sicherung mit blinkenden Warnleuchten hinter dem Renault auf der Fahrbahn; die vierköpfige Familie wartet hinter der Leitplanke. Zwei von ihnen sind gerade aus dem Urlaub gekommen. „Ich schleppe Sie zur Tankstelle in der Nähe, dann können wir weiterschauen“, sagt Hofmann. Der Standort auf dem Zubringer ist zu gefährlich. Kurz darauf fährt die Familie mit dem Auto nach Hause. Zwölf Pannen schafft Hofmann in dieser Nacht. Damit hat er nicht nur Autos flott bekommen, sondern auch so manchem Fahrer die Urlaubsstimmung gerettet.

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