Tuckern wir jetzt nur noch durch Tempo-30-Zonen?

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Auf die Schlaglöcher folgt das Tempolimit. Erst wenn der Frost vorbei ist, kann saniert werden.

Offenbach – Sie klaffen immer breiter und tiefer im Asphalt und werden immer mehr: Schlaglöcher prägen derzeit das Bild auf unseren Straßen. Besonders den Autofahrern steht eine nervende Zeit bevor. Von Andreas Einbock

Der harte Winter scheint sich momentan eine Auszeit zu nehmen, da kommen die nächsten Probleme zum Vorschein. Für die enorm gestiegen Zahl der Schlaglöcher hat Marcus Beyer vom Deutschen Wetterdienst eine einfache Erklärung: „Dieser Winter hatte mehr Wechsel zwischen Frost- und Tauwetter als letztes Jahr. Dadurch gelangt immer wieder neues Wasser in den Straßenbelag.“

Auch Christian Loose vom Stadtdienstleister ESO ist sicher, „dass die Schäden durch Schlaglöcher dieses Mal definitiv größer als letztes Jahr sein werden.“ Noch kämpfe man mit der Koordination von Streu- und Salzgut auf dem 220 Kilometer langen Straßennetz, um wenigstens die Hauptverkehrsstraßen immer freizuhalten. „Wir sind mit 120 Mitarbeitern permanent im Einsatz. Aber allein dadurch fallen jede Menge Überstunden und täglich etwa 15.000 Euro Mehrkosten an“, so Loose.

Reparaturen sind erst bei Plusgraden möglich

Derzeit können gegen die Schlaglöchern nichts anderes unternommen werden, als die Schäden aufzunehmen und überall Tempo-30-Schilder aufzustellen. „Richtig reparieren können wir erst, wenn die Bodentemperaturen konstant über fünf Grad liegen.“ Mit Sorge blickt auch Stadtkämmerer Michael Beseler auf die Straßen „Am liebsten würde ich den Wintner verbieten“, scherzt er, so lange das aber nicht geht, müssen wir die Straße nach so einem Winter weiter flicken.“ Für grundlegende Neugestaltungen würden die Kapazitäten, Geräte und das Geld fehlen. Schon jetzt rechne er mit Mehrkosten im hohen sechsstelligen Bereich, den die Stadt allein aufbringen müsse. „Wir können doch für solch massive Sanierungen nicht die Stadt für drei oder vier Monate lahmlegen“, so Beseler. Zudem müsse dann auch der Bürger zur Kasse gebeten werden.

Für Wolfgang Herda vom ADAC Hessen-Thüringen bleibt das Flickschusterei: „Da gibt es sinnvollere Verfahren, an die sich aber kein Stadtkämmerer herantraut.“ So genannte Dünnschichtverfahren im Kalteinbau würden mit etwa sieben Euro pro Quadratmeter nur ein Drittel der Kosten einer herkömmlichen Asphaltierung im Heißeinbau kosten. „Das hält dann auch mindestens zehn Jahre.“

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