Trotz Erfolg: Boxcamp vor dem Aus

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Hossein Mehranfard (rechts) trainiert seit zwei Jahren mit Jugendlichen im Boxcamp Gallus.

Frankfurt – Bundeskanzlerin Angela Merkel und Hessens Innenminister Boris Rhein schauten schon im Boxcamp vorbei. Seit zwei Jahren boxt Trainer Hossein Mehranfard im Gallus mit Jugendlichen und holt sie so von der Straße. Doch der Erfolg droht dem Projekt das Genick zu brechen. Von Angelika Pöppel

25. 000 Euro fehlen uns“, sagt Mehranfard. Wenn die Sportjugend Frankfurt für das Camp keine Sponsoren findet, ist das Boxen für die Jugendlichen ab Januar vorbei. „Das wäre eine Katastrophe“, sagt der Trainer. Er befürchtet, dass einige Jugendlichen dann wieder in alte Muster zurückfallen: Auf der Straße abhängen, Drogen nehmen, falsche Freunde treffen, Straftaten begehen.

Davon hat Mehranfard die Kinder und Jugendlichen, die meist Migrationshintergrund haben, seit zwei Jahren abgehalten. Er ist mehr als ein Trainer – bis zu 70 Stunden in der Woche betreut er die Kinder und Jugendlichen bei den Hausaufgaben, ist rund um die Uhr für sie erreichbar, gibt ihnen Perspektiven und schaut auch mal in der Familie vorbei. Sein Konzept ist ein Erfolg. Immer mehr Jugendliche wollen dazustoßen. Doch genau das ist das Problem: Denn das Geld und der Platz für mehr Teilnehmer fehlen.

Die Jugendlichen bekommen Handschuhe, Ausrüstung und Trikots, die sie sich sonst nicht leisten könnten. Auch die Gehälter des Leiters und der zwei Übungstrainer, die auf 150-Euro-Basis nebenberuflich im Camp arbeiten, müssen gezahlt werden. Auch Strom- und Wasserkosten sind gestiegen. „Die hohen Nachzahlungen können viele Einrichtungen nicht tragen“, sagt Peter Benesch, Vorsitzender der Sportjugend Frankfurt. Mittlerweile kommen 90 Jugendliche in das Boxcamp, Rebstöcker Straße 49. „Wir können niemanden mehr aufnehmen, aber wegschicken will ich sie auch nicht“, sagt Mehranfard. Deshalb vermittelt er sie in Vereine. Doch das Boxcamp ist mehr als eine Freizeitbeschäftigung: „Für die Jugendlichen sind wir Familienersatz – wir bieten ihnen ein Zuhause.“ Dem Trainer mit iranischen Wurzeln liegt die pädagogische Betreuung am Herzen, sie sei genauso wichtig wie das Boxen. Auch Benesch ist von dem Erfolg und der Notwendigkeit des Projektes überzeugt. „Andere Einrichtungen würden von so vielen Stammbesuchern nur träumen“, sagt er.

Den Erfolg der Arbeit bestätigen die besseren Schulnoten und Abschlüsse der Schützlinge. Auch Politiker loben das Projekt, so auch der hessische Innenminister Boris Rhein. Er stellte 4000 Euro bereit. „Wir können jeden Cent gebrauchen“, sagt Mehranfard. Unterstützt werden sie weiterhin von der Mainova, der ABG Holding, die die Räume kostenlos stellt, und der Sparda Bank. Damit das Boxcamp bleibt und damit die Hoffnung der Jugendlichen, brauchen sie Sponsoren. „Ein Obsthändler hat sich bei uns gemeldet und bringt übrig gebliebenes Obst für die Kinder vorbei“, erzählt Mehranfard. Doch das reicht noch lange nicht. Wenn alles nicht hilft, wird die Zahl der Jugendlichen reduziert. „Wir werden kämpfen, aber die Anzahl zurückzufahren, ist immer noch besser als das Boxcamp komplett sterben zu lassen“, sagt Benesch. Und auch Mehranfard setzt sich weiter ein: „Ich lade jeden herzlich ein, vorbeizuschauen, mit den Jugendlichen zu sprechen und sich von dem Projekt selbst zu überzeugen.“

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