Wasserhäuschen seit 100 Jahren

Trinkhallen-Tradition in Frankfurt blüht wieder auf

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Florian Abel (rechts) und Felix Wegener haben dem Wasserhäuschen im Frankfurter Nordend neues Leben eingehaucht.

Frankfurt – Aus alt mach neu. Unter diesem Motto polieren junge Menschen den Ruf der in die Jahre gekommenen Trinkhallen der Region wieder auf. Von Angelika Pöppel

Ihr wurde schon der Tod erklärt, doch jetzt erlebt sie eine Wiedergeburt: Die Trinkhalle. In Frankfurt hat sie eine besondere Tradition. Unter dem Namen Wasserhäuschen gibt es die Büdchen seit fast 100 Jahren. Ob rund, freistehend oder in die Hausfassade eingelassen – knapp 300 Kioske verteilen sich über ganz Frankfurt. Tendenz sinkend. Denn der Ruf ist beschmutzt. Biertrinker, die schon am frühen Morgen die Trinkhalle belagern, schrecken ab. Dass es auch anders geht, beweisen Florian Abel und Felix Wegener im Nordend. Die Jungunternehmer haben das rund 80 Jahre alte, original Jöst-Wasserhäuschen an der Friedberger Landstraße mit einem neuen Konzept verjüngt. „Bei uns gibt es neben Bier, der klassischen gemischten Tüte und Zigaretten eben auch leckeren Espresso“, sagt Inhaber Florian Abel. Die Mischung aus heller, freundlicher Espresso-Bar und dem Charme des Büdchens zieht bereits seit einigen Monaten die Kunden an.

Tendenz zum neuen Stadt-Trend

Auch die Inhaber des „Art im Park“ in Dietzenbach haben sich einem alten Kiosk angenommen. Im Stadtpark wurde so aus einem Kiosk-Häuschen ein kleiner Biergarten mit großzügigem Außenbereich.

Nicht nur eine einfache Trinkhalle ist auch der Buddha-Kiosk in Frankfurt-Bornheim. Rund 90 verschiedenen Biersorten hält der Besitzer dort für seine Kunden bereit, die sich ihren Favoriten auch im Freien auf einer Bank schmecken lassen können.

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Einen einladenen Außenbereich haben alle gemeinsam. Die Frankfurter Jungunternehmer konnten sogar den kleinen Friedberger Platz endlich beleben. Das Häuschen ist wieder ein Treffpunkt geworden. „So wie es auch einmal war“, betont Abel. Mit kleinem Außenbereich, Musik und charmanten Details, wie einer Bücherecke, haben sie das geschafft. „Vom Handwerker, bis zum Banker und der Hausfrau – alle sind willkommen. Und das gehört zu unserem Konzept“ , sagt der Inhaber. Hinter ihrer Geschäftsidee steckt auch der Gedanke, die Tradition fortzuführen: „Die Wasserhäuschen sind Frankfurter Kulturgut. Jeder kennt sie aus der Kindheit. Und deshalb müssen sie erhalten bleiben.“

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