Sie hilft Afghanen, sich selbst zu helfen

+
Tanja Carbone lacht (pfirsichfarbener Schal). Sie freut sich über das Terrassierungsprojekt, die Steintreppen oben links. Gemeinsam mit der Gemeinde aus Nawabad-Shepdara im Distrikt Argo setzt die GTZ dieses Projekt um. So sollen die Hänge stabilisiert und das Ackerland geschützt werden.

Eschborn/Faisabad – Arbeitszeiten jenseits der 40 Stunden pro Woche, nur vier Stunden Strom am Tag und eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit: Für die 35-Jährige Tanja Carbone  ist ihre Arbeit in der afghanischen Provinz Badakshan dennoch ein Traumjob. Von Jennifer Dreher

Tanja Carbone benutzt das Wort „Angst“ nicht – trotz der Unruhen im Land und der Anschläge durch die Taliban. Für die Programmberaterin sei es eine Frage der „gefühlten Sicherheit“. Und für die würde ihr Arbeitgeber, die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) mit Sitz in Eschborn, alles tun. Ihr Büro befindet sich in Faisabad. 40.000 bis 60.000 Einwohner leben in der Kleinstadt.

Die Arbeitsbedingungen dort sind nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen. Nur vier Stunden am Tag gibt es Strom. Die restliche Zeit wird das GTZ-Büro durch einen Generator versorgt. Spontane Ausflüge sind nicht möglich. Solche Anliegen müssen mit Sicherheitsberatern abgesprochen werden.

Burka ist nicht Pflicht für Europäerinnen

Carbone begutachtet ein Bewässerungsprojekt in der Gemeinde Rubat im Distrikt Argo.  Das Projekt ist abgeschlossen und wird dem afghanischen Partner übergeben.

„Wer dort arbeitet, muss sich auch an die kulturellen Gegebenheiten anpassen. Für mich als Frau bedeutet das, dass ich weite Hosen, lange Kleider sowie einen Schal über dem Kopf trage. Eine Burka muss es aber nicht sein“, berichtet Carbone. Seit Anfang 2008 ist sie in Faisabad im Einsatz. „Aufgrund meines europäischen Aussehens und meines Bildungsstandes bin ich für die Menschen vor Ort eine Art Zwitterwesen, etwas Fremdes“, sagt sie. Durch diese besondere Stellung habe sie auch kein Problem, als Frau in Afghanistan zu arbeiten und zu leben.

Sie wohnt mit einem Kollegen in einem Haus, das sie selbst angemietet haben. Eigene Häuser unterhält die GTZ nicht. „Wohnungen gibt es dort kaum, aber viele Lehmhäuser“, sagt sie. Auf einige Annehmlichkeiten, die ihr Heimatland Deutschland bietet, muss sie in Faisabad verzichten. „Alle acht bis zwölf Wochen geht es zurück nach Deutschland. Das Erste, was ich dann mache, ist einen Cappuccino zu trinken“, berichtet sie. Denn den gibt es in Faisabad nicht.

Leistungsbereitschaft wird bei der GTZ vorausgesetzt

Trotzdem geht sie immer wieder gerne zurück. „Man muss sehr geduldig sein. Die Früchte unserer Arbeit erkennt man nur in den kleinen Schritten. Denn wir wollen vor Ort nicht nur eine Infrastruktur aufbauen. Wir bringen den Menschen auch das nötige Fachwissen bei, um diese selbst aufrecht zu erhalten“, so Carbone.

Das erfordert Leistungsbereitschaft. „Eine 40-Stunden-Woche ist da kaum einzuhalten. Das macht einem die GTZ von Anfang an klar“, sagt sie.

Da auch die Freizeitmöglichkeiten eingeschränkt sind, ist Carbone froh gewesen, die Fußball-WM in Faisabad verfolgen zu können. „Zwar haben wir die Kommentare in der Sprache Dari nicht verstanden, aber wenigstens gesehen, wann ein Tor gefallen ist“, erinnert sie sich und lacht.

Die Familie muss mit dem Job klarkommen

Sie rät jedem, der sich bei der GTZ bewerben will: „Man muss offen und flexibel sein und eine Leidenschaft für die Kultur dort haben. Außerdem ist es wichtig, sein Vorhaben mit der Familie und den Freunden abzuklären. Denn am schlimmsten ist es, wenn man weiß, dass sich andere um einen sorgen. Wer dort arbeitet, muss einen freien Kopf haben.“

Infos über die Herausforderung, in Afghanistan zu arbeiten, gibt es am Mittwoch, 29. September, von zehn bis 13 Uhr im Auditorium 2 im Erdgeschoss Haus 1 in der GTZ-Zentrale, Dag-Hammarskjöld-Weg 1-5, in Eschborn. Weitere Infos unter www.gtz.de.

Kommentare