Hygienemängel an Frankfurter Uniklinik

Wegen Sparzwang: Trauermarsch der Reinigungskräfte

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Aufmarsch der Putzleute: Reinigungskräfte und Gewerkschaftsmitglieder haben am Donnerstag bei einem Trauermarsch die Hygiene zu Grabe getragen.

Frankfurt - Frust bei den Reinigungskräften der Frankfurter Uniklinik. Weil dort immer weiter an der Sparschraube gedreht wird, fürchten sie um ihre Jobs und um die Hygienestandards. Von Dirk Beutel

Na sauber! Geraten die Hygienestandards in der Frankfurter Universitätsklinik in Gefahr? Weil man auch dort den Gürtel immer enger schnallt, müssen die dortigen Reinigungskräfte mehr Bereiche in weniger Zeit säubern. „Hat eine Reinigungskraft früher acht Stunden für eine Station gehabt, muss sie mittlerweile zwei Stationen in sechs Stunden schaffen“, sagt Uwe Richtmann, stellvertretender Personalratsvorsitzender der Uniklinik. Doch damit nicht genug. Der Vertrag mit der outgesourcten Reinigungs-Firma Götz läuft zum 30. Juni aus. Das ist nicht das erste Mal, dass man am Klinikum die Firma wechselt. „Neu ist aber, dass das Klinikum sich diesmal weigert, den Betriebsübergang  in die Ausschreibung mit aufzunehmen, was sie sonst immer getan hat“, sagt Eunsook Köther von der Gewerkschaft IG Bau.

Eingearbeitetes Personal soll wegfallen

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Während bei früheren Betriebswechseln die Arbeitsbedingungen erhalten geblieben sind, drohe den Putzleuten nun befristete Verträge, neue Probezeiten und der Wegfall der zusätzlichen Altersvorsorge. „Der Wegfall von eingearbeitetem Reinigungspersonal wird für das Klinikum auch die hygienische Situation verschlechtern.
Es ist fatal, aus kurzfristigem Sparinteresse  auf die langjährige Erfahrung von Kolleginnen zu verzichten und am Ende damit das gesundheitliche Wohle von Patienten zu gefährden“, heißt es in einer Meldung der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Etwa 60 Mitarbeiter haben bei Götz befristete Verträgen, die sowieso auslaufen werden. Doch etwa 80 Reinigungskräfte sind bei Götz fest angestellt – sie wollen um ihre Arbeitsplätze kämpfen. Ihr Protest richtet sich gegen die Geschäftsleitung des Klinikums. Sie setze bewusst Sparmaßnahmen über die Hygienestandards am Klinikum.

„Es gibt keine Hygienemängel“

„Es gibt keine Hygienemängel am Klinikum. Das Reinigungsunternehmen hält sich an die Leistungszahlen, die unter anderem von der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt verfasst wurden“, teilt Klinikums-Sprecherin Ricarda Wessinghage auf Nachfrage mit. „Die Hygienestandards des Klinikums erfüllen die höchsten Anforderungen. Dies wird extern regelmäßig zertifiziert. Ein großes Mikrobiologieteam kümmert sich folglich um die Hygiene und Infektionsprävention.“ Die Reinigungskräfte wollen den öffentlichen Druck erhöhen. Zumindest bei anderen Klinik-Kollegen haben sie bereits Sympathisanten gefunden. Richtmann: „Etwa 1000 Beschäftigte des Klinikums unterstützen die Kollegen mit ihren Unterschriften.“

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