Transe erpresste Prostituierte

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Der Offenbacher Transsexuelle, alias Tanja, mit Anwalt.

Region Rhein-Main –  Mit Minirock, Stiefeln und Handtasche erscheint "Tanja" vor dem Frankfurter Landgericht. Der transsexuelle Offenbacher soll an seinem Arbeitsplatz – dem Strich an der Frankfurter Messe – andere Prostituierte bedroht, um Geld erpresst und geschlagen haben. Von Julia Renner

Damit sie überhaupt anschaffen durften, sollten sie täglich 50 Euro an den Transsexuellen zahlen. Wer das nicht wollte, musste mit Schlägen rechnen. Das zumindest warf der Staatsanwalt dem Offenbacher vor, der sich auf dem Strich "Tanja" nannte. Doch der 34-Jährige stritt das ab. Er habe lediglich die Frauen aus dem Revier der Transsexuellen weggeschickt, beteuerte der Angeklagte. Denn: „Kein Freier hält für eine Transe an, wenn auch eine Frau dabei steht.“ Es sei ab und an mal zu Wortgefechten gekommen. Aber darin seien auch andere Transsexuelle verwickelt gewesen.

50 Euro Standgeld täglich

Ein türkischer Transsexueller, der als Zeuge aussagte, berichtete davon, dass „Tanja“ eine neue Prostiuierte zum Zahlen bewegen wollte. Ein weiterer Zeuge – mehr als zwei Meter groß, mit blondem Haar und lackierten Fingernägeln – wusste gar nicht, warum er überhaupt vorgeladen war. „Ich habe den Angeklagten noch nie gesehen“, sagte der 34-Jährige vor Gericht. Dass er bei der Polizei einmal ausgesagt haben soll, dass er Standgeld zahlen sollte, stimme nicht. Eine bulgarische Prostituierte, die mit Dolmetscher vor Gericht erschien, sagte, sie habe nur einmal Probleme mit „Tanja“ gehabt. Sie sollte auch 50 Euro täglich zahlen, weigerte sich aber vehement. Ihre Tante, ebenfalls eine Prostituierte, soll dafür angeblich Schläge von dem Angeklagten kassiert haben.

Vom Strich in den Friseursalon

Der Offenbacher Transsexuelle, der nach eigenen Angaben mittlerweile nicht mehr auf den Strich an der Frankfurter Messe geht, sondern als Friseur arbeitet, ist bei Gericht kein Unbekannter gewesen. Wegen Urkundenfälschung, Drogen und Fahren ohne Führerschein war er bereits früher belangt worden.

Am Freitagabend verurteilte das Schöffengericht den 34-Jährigen zu zwei Jahren auf Bewährung.

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