Morbider Ausflug: Der Friedhof als Touristen-Magnet

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Neben dem Grab des ermordeten Jakob von Metzler besuchen die meisten Touristen die Ruhestätte von Pauline Schmidt aus dem Kinderbuch „Struwwelpeter".

Frankfurt – Nicht nur zu Feiertagen wie Allerheiligen pilgern die Menschen auf den Friedhof. Immer öfter werden die Gottesacker zu wichtigen Attraktionen für den Tourismus. Auch der Frankfurter Hauptfriedhof ist ein beliebtes Ausflugsziel. Von Mareike Palmy

Morbider Rundgang: Führungen über den Hauptfriedhof sind bei Touristen sehr beliebt.

Zu Lebzeiten gehörte Dirk Bach zu den beliebtesten TV-Promis des Landes. Auch nach seinem Tod erfreut sich Bach großer Beliebtheit, denn das Grab des Entertainers gehört schon wenige Wochen nach seiner Beerdigung zu den Highlights bei Führungen auf dem Kölner Melatenfriedhof.
Auch auf dem Frankfurter Hauptfriedhof ruhen zahlreiche Berühmtheiten. Vor allem in den älteren Teilen des Friedhofs ist so mancher bekannte Name zu entdecken, wie der Dichter Friedrich Stoltze und die Volksschauspielerin Liesl Christ, aber auch Schriftstellerinnen wie Ricarda Huch und Dorothea Schlegel oder Philosophen wie Theodor W. Adorno und Arthur Schopenhauer liegen hier begraben.

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Der Hauptfriedhof ist ein spezieller Ort. Seine denkmalgeschützten Gräber sind sehr reizvoll. Manche lockt auch nur die Sensationsgier. Ganz viele wollen beispielsweise das Grab des ermordeten Jakob von Metzler sehen“, weiß Brigitte Franke. Sie veranstaltet Friedhofs-Führungen zu berühmten Persönlichkeiten und kennt das große Interesse an den Gräbern. 160 Menschen nahmen dieses Jahr an ihren zwei Führungen teil.

Eines der meistbesuchten der rund 80.000 Gräber in Frankfurt ist das von Pauline Schmidt. Sie war das Vorbild für die Figur des „Paulinchen“ aus dem Kinderbuch „Struwwelpeter“. Bei privaten Führungen über den Hauptfriedhof ist das Grab immer ein Anlaufpunkt der Touristen. Für zehn Euro führen Veranstalter wie Kulturothek Interessierte zu den Gräbern berühmter Persönlichkeiten. Auch Helga Heubach führt schon seit acht Jahren Touristen über den Hauptfriedhof. Ziel jeder ihrer morbiden Rundgänge sind die Gräber bedeutender Frauen. „Hauptsächlich Menschen mit Interesse an der Kulturgeschichte nehmen an den Führungen teil. Das Leben und Wirken der Verstorbenen fasziniert dabei am meisten“, sagt die 70-Jährige.

Gräber als touristische Attraktion

Dabei ist das Besuchen von berühmten Grabstätten kein neuer Trend. Pilger- und Wallfahrten gab es schließlich schon im Mittelalter. Auch heute schauen sich Touristen Friedhöfe und Gräber bekannter Personen in aller Herren Länder an. Mitunter sind die Gräber auch nicht das eigentliche Reiseziel, sondern werden als lokale Sehenswürdigkeit gleich mitbesucht. Wie das von Elvis Presley. Vor mehr als 30 Jahren starb der „King of Rock ‘n’ Roll“, doch die Fans kommen bis heute an sein Grab. Hunderttausende jährlich. Ähnliche Ausmaße nimmt auch der Friedhofs-Tourismus auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise an. Dort liegt eine ganze Anzahl von Berühmtheiten begraben: Neben Frédéric Chopin, Oscar Wilde, Maria Callas und Edith Piaf ist wohl das Grab des „The Doors“-Sängers Jim Morrison das meistbesuchte der 70.000 Gräber. Um Eindringlinge abzuwehren, wurde dort sogar die Außenmauer des Friedhofs mit Eisenspitzen versehen. Für viele Anhänger der kubanischen Revolution ist dagegen ein Ort von besonders großer Bedeutung: Santa Clara. Hier ruht Che Guevara.

Diese Grabstätten sind auch Reiseziele von Tourismusanbietern. Auch die Städte selbst werben immer häufiger mit den Gräbern als touristische Attraktion.

Zwar scheint dieses Ausflugsziel auf den ersten Blick etwas sonderbar, nicht selten sind Friedhöfe jedoch hervorragende Zeitdokumente und spiegeln in ihrem Aufbau, ihrer Architektur und ihren Grabmälern die epochentypischen Merkmale vergangener Zeiten wider.

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