Fiese Nager töten seine Eichen

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Forstamtleiter Kurt Schäfer zeigt eine abgefressene Eiche. Ohne die Mäuse würden die drei Jahre alten Bäume so aussehen, wie das verschonte Exemplar, das neben ihm steht.

Neu-Isenburg – Sie ist das Sinnbild für Deutschland und kann über 1000 Jahre alt werden: Die deutsche Eiche. Doch im Neu-Isenburger Wald hatten über 5000 dieser Bäume keine Chance zum Wachsen. Unzählige Rötelmäuse haben ihren Hunger gestillt und die jungen Bäume regelrecht totgefressen. Von Andreas Einbock

Kurt Schäfer hat wahrlich nichts gegen Tiere. Eine Jagdhündin begleitet denLeiter des Forstamts Langen bei seiner Arbeit in der Natur. Doch auf die Rötelmäuse in dieser Masse könnte er gern verzichten. „Das tut schon weh, wenn eine ganze Eichenkultur zerstört wird“, sagt Schäfer und reißt eine abgestorbene Mini-Eiche aus dem dicht begrünten Boden. Seit dem Frühjahr bereitet ihm die zwei Fußballfelder große Neuaufforstung neben dem Orplid-Freizeitgelände große Sorgen.

Der Baumbestand wurde enorm dezimiert

„Wir haben drei Warnstufen für den Wald. Da sich die Rötelmäuse so rasant vermehrt haben, mussten wir schon nach kurzer Zeit die höchste Warnstufe ausrufen“, so Schäfer. Das bedeutet Totalschaden, der sich auf zirka 10.000 Euro beläuft und auf das Konto der kleinen Nager geht. Die hätten durch den harten Winter Schutz vor Feinden unter der Schneedecke gefunden, ein warmes, trockenes Frühjahr sowie in dem hohen, verbuschten Gras gute Bedingungen gehabt, macht Schäfer als Ursachen aus.

Höchste Warnstufe im Neu-Isenburger Wald

Mäusefutter: Ein Baumstamm wurde abgefressen.

Trostlos und braun hängen die wenigen Blätter herunter. „Der hat im Frühjahr noch ausgetrieben. Die Wurzel ist immer noch gut. Sogar den ersten Angriff der Mäuse vom letzten Jahr hat er mit Wundgewebe überwallen können“, analysiert der Fachmann. Im oberen Bereich des 80 Zentimeter langen Stammes wird das Werk der Rötelmäuse aber deutlich: „Der Ringelfraß war dann das Ende. Damit haben die Mäuse einmal um den Stamm gefressen und somit die Nährstoff- und Wasserleitung in der Rinde und dem Bast durchtrennt.“ Vom Baumsterben verschont blieben vor allem die Linden, die ebenfalls vor drei Jahren gepflanzt wurden und offenbar nicht den Geschmack der Rötelmäuse treffen.

Linden treffen nicht den Geschmack der Rötelmäuse

Nun hofft Schäfer auf ein natürliches Ende der Mäuseplage. „Bei hohen Populationen greift oft eine Krankheit um sich. Aber auch Vögel wie Mäusebussarde, Falken, Milane, Eulen oder Füchse und Wildschweine können jetzt mal zuschlagen“, so der Forstamtleiter. Sollte das alles nicht helfen, werde er Ende September zu Probefängen und Fallenketten greifen müssen. Schäfer: „Dann werden wir das Frühjahr abwarten. Manche Bäume treiben eventuell noch einmal aus.“

Vielleicht schaffen es noch ein paar der restlichen Bäume die Fünf-Jahresgrenze zu überschreiten. Denn dann ist die Rinde hart und uninteressant für Mäuse.

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