Tatort Schulhof

Kind hat Panik vor der Einschulung

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Sabrina Reffad und ihre verängstigte Tochter Yasmin vor dem Eingang der Humboldtschule.

Offenbach – Weil ihre beiden Geschwister auf der Offenbacher Humboldtschule gemobbt und geschlagen wurden, hat die sechsjährige Yasmin Reffad furchtbare Angst, dort im Sommer eingeschult zu werden. Von Christian Reinartz

Doch alle Bitten und Einsprüche ihrer Mutter beim Staatlichen Schulamt des Kreises Offenbach fruchteten nichts. Die Beamten pochen auf die Einhaltung der Paragrafen. Sie darf keine andere Schule besuchen. Dabei haben sie das Kind noch nicht einmal persönlich befragt.

Wenn man Sabrina Reffad sieht, kann man die Verzweiflung in den Augen der jungen Mutter sehen. An ihrer Hand krallt sich ein Kind fest, das Angst hat. Angst davor, in die Schule zu müssen. „Dabei will meine Tochter so gerne zur Schule gehen“, sagt Reffad. „Aber nicht auf die Humboldtschule.“

Depression wegen Mobbing

Das Problem: Yasmins ältere Geschwister haben keine guten Erfahrungen auf dieser Schule gemacht. „Meine älteste Tochter wurde dort über Monate von einem Jungen geschlagen“, sagt Reffad. Als sie sich wehrte, habe es Ärger mit der Schulleitung und der Klassenlehrerin gegeben. „Für meine Tochter war das die Hölle.“ Probleme gab’s auch bei ihrem nächsten Kind. „Als wenn die sich das von meiner ersten Tochter gemerkt hätten“, sagt Sabrina Reffad. „Meiner Tochter geht es deswegen wirklich schlecht. Sie leidet seitdem unter einer Depression.“ Spätestens da wurde Reffad klar: „Dort will ich Yasmin auf keinen Fall hinschicken.“ Sie stellt einen sogenannten Gestattungsantrag beim Schulamt in Offenbach. Dieser muss genehmigt werden, sonst darf das Kind keine andere Schule, als die dem Wohnort zugeteilte besuchen. „Dabei wohnen wir genau an der Grenze“, sagt Reffad: „Ein paar Häuser weiter und meine Kleine könnte auf die Wilhelmschule gehen.“

Für Schulamtsdirektor Peter Bieniussa ist das aber kein Grund, um einzulenken. Er bleibt hart und erteilt allen Bitten und Anträgen der Mutter eine Absage. Als Grund gibt Bieniussa an, die Aufnahmekapazitäten der anderen Schule seien erschöpft. „Aber ich würde mein Kind auch auf jede andere Schule bringen, um ihm die Angst zu nehmen“, sagt Reffad. Doch statt das ernstzunehmen, habe Bieniussa ihr offeriert, sie könne ja klagen.

Ärger mit Schulamt

Seltsam anmutet, dass Bieniussa nicht ein einziges Mal das Kind von einem Fachmann des Schulamtes in Augenschein hat nehmen lassen. „Die wollten die Kleine nicht einmal sehen“, sagt Sabrina Reffad. „Dabei würden die dann ganz schnell merken, wie sehr die Kleine das belastet.“

Als der EXTRA TIPP im Schulamt nachhakt, zeigt sich die stellvertretende Amtsleiterin Birgitta Hedde erstaunt. „Die Mutter ist mit dem Kind bei keiner üblichen Voruntersuchung in der Schule aufgetaucht.“ Zudem sei man sich nicht sicher, wieviel Angst das Kind von selbst habe, und wieviel Angst es von den Eltern eingeredet bekomme.

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Für Reffad ist das ungerechtfertigt: „Wenn mein Kind Angst davor hat, gehe ich mit ihm doch nicht in diese Schule. Aber ich habe immer angeboten, dass sich ein Fachmann mit meiner Tochter unterhält und nachprüft, wie echt ihre Angst ist.“ Als Hedde das hört, lenkt sie ein: „Eine Untersuchung des Kindes wäre sicherlich eine geeignete Maßnahme, um sich Klarheit zu verschaffen.“

Sollte sich herausstellen, dass das Kind wirklich stark unter der Situation leidet, könne man die Sache neu bewerten.

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