Tipps vom Profi

Schlechtes Zeugnis? So reagieren Eltern richtig!

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So bitte nicht! Vorwürfe und Anbrüllen bringen überhaupt nichts. Experten raten Eltern, ruhig zu bleiben, auch wenn das Zeugnis des Kindes nicht optimal ausgefallen ist.

Region Rhein-Main – Am 24. Juli gibt´s Zeugnisse. Nicht überall fallen die Zensuren wie gewünscht aus. Zu Hause reagieren Eltern oft falsch auf die fünf in Deutsch oder die sechs in Mathematik. Der EXTRA TIPP fragte Schüler- und Elternberater, wie es besser geht. Von Oliver Haas.

„Eltern sollten auf jeden Fall gelassen reagieren, auch wenn das Zeugnis nicht so gut ausgefallen ist“, sagt Schüler- und Elterncoach Michael Bajorat aus Rodgau. Kinder bräuchten immer das Gefühl, dass die Eltern hinter ihnen stehen. Ganz egal ob sie gut oder schlecht in der Schule sind, so der Pädagoge. Ein Kardinalfehler sei es, wenn Eltern Druck ausüben „Das hat selten etwas gebracht. Und Maßnahmen wie etwa Nachhilfe sollten nie über die Köpfe der Kinder hinweg entschieden werden. Schüler ab der dritten oder vierten Klasse könnten durchaus schon sagen, welche Unterstützung ihnen gut tut.“

Monika Cuzma-Cépeda, Inhaberin einer Sprachschule für Kinder und Jugendliche aus Rodgau rät nach der Vorlage eines schlechten Zeugnisses: „Einfach mal tief Luft holen, einmal um den Block laufen und die Noten sacken lassen. Wenn man sich wieder gefangen hat, das Zeugnis mit seinem Kind durchgehen und in Ruhe besprechen, was man tun kann, damit sich das nicht wiederholt.“ Ein Kind, dass Angst vor der Reaktion seiner Eltern hat, sehe keine Lösung, fühle sich alleine gelassen, überfordert und könne sich nicht verbessern.

Noten hinterfragen

Christine Skupsch, Elternberaterin aus Bad Soden, rät dazu, dass Eltern ganz konkret fragen sollen, wie es zur jeweiligen Note gekommen ist.

Doch egal wie gut oder schlecht die Zensuren sind: Die anschließenden Ferien sind zum Entspannen da. „Auch für die Kinder ist es wichtig, dass sie vom Schulstress befreit sind. Lernen während der Ferien sollte nur dann angeordnet werden, wenn die Möglichkeit einer Nachprüfung besteht, die die Versetzung ermöglicht“, sagt Beraterin Skupsch. Von immer größerem Druck, der bereits ab der Grundschule herrscht, spricht Bajorat und rät dazu, den Kindern mindestens drei Wochen Erholung zu gönnen. Ein bis zwei Wochen bevor die Schule wieder startet sei es aber durchaus sinnvoll, dass sich die Kinder wieder langsam an das Lernen gewöhnen.

Auch bei guten Noten gibt es Tücken

Wichtig: Eltern sollten ihren Kindern stets klarmachen, dass der Schulweg immer eigene Weg ist und es dabei um die eigene Zukunft geht. „Man muss seinem Kind in Ruhe verdeutlichen, dass es Fleißaufgaben, wie etwa Vokabel-Lernen gibt, um die kein Schüler herum kommt. Hier langt es schon, sich täglich zehn Minuten hinzusetzen und sieben neue Wörter zu lernen“, empfiehlt Cuzma-Cépeda. Doch auch wenn ein Zeugnis mit Einsen und Zweien glänzt, können Eltern laut Expertin Skupsch Fehler begehen: „Falsch ist es, für jede gute Note einfach dem Kind fünf Euro in die Hand zu drücken. Viel besser ist es, sich ausführlich vom Kind erklären zu lassen, welches Fach so richtig Spaß gemacht hat. Und vor allem sollte das Kind ganz gezielt gelobt werden. Ein Satz wie „Warum nicht gleich so“, sei katastrophal und schmälere die gute Leistung nur, sagt auch Elterncoach Bajorat. Und er bedauert: „Wir haben leider eine Kritikkultur in Deutschland und sehen nur das, was nicht gut läuft. Alles was gut läuft, ist normal.“ Aber das sei ein großer Fehler, eine bessere Motivation als Lob gibt es nicht.

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