Darum sind wir jetzt so träge!

Tipps gegen die Frühjahrsmüdigkeit

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Region Rhein-Main - Es ist paradox! Der dunkle, kalte Winter wird vom strahlenden Frühling verdrängt. Erste Blüten sprießen. Es wird wärmer. Beste Bedingungen, um den Tag zu starten. Doch überall herrscht Frühjahrsmüdigkeit. Aber wie entsteht diese überhaupt? Von Oliver Haas

Die Umwelt schafft jetzt die besten Voraussetzungen, um hellwach und fit die Gartenarbeit, den Sport oder einen gemütlichen Spaziergang an der frischen Luft zu genießen. Doch in diesen Tagen ist der Geist oft willig, aber das Fleisch schwach. Die heimische Couch wird dem Laufband vorgezogen. In den Büros ist Simultan-Gähnen angesagt. Müdigkeit wird zum Dauerzustand.

Jeder zweite Deutsche fühlt sich rund um den Monat März schlapp, müde und antriebslos. Volksmund und Ärzte sprechen schlicht von „Frühjahrsmüdigkeit“.

Hormone machen müde

Der Ursprung dieses Phänomens ist unklar. Schuld an der Dauergähnerei im Frühjahr soll laut einer Studie von US-Wissenschaftlern das Zusammenspiel des Launemacher-Hormones Seretonin mit dem Schlafhormon Melatonin sein. Denn: Während der dunklen Winterzeit wird Serotonin im Körper stark abgebaut, Melatonin hingegen steigt in der kalten Jahreszeit an. Durch das warme, helle Frühlingswetter schnellt der Serotoninspiegel plötzlich wieder hoch. Aber oft so schnell, dass der Abbau des Melatoninspiegels nicht hinterherkommt. Und dieses Hormon-Kuddelmuddel bescherrt uns diesen kleinen Frühlings-Jetlag. Die Frühjahrs-Gähnerei nur auf die ungleichen Hormonespiegel zu schieben, sei viel zu einfach gedacht, sagt allerdings Dr. Gerasimos Varelis vom Sankt Elisabethen Krankenhaus in Frankfurt: „Es gibt auch andere Faktoren, die beeinflussen, dass Leute im Frühjahr müde sind.“ Wenn die Temperaturen steigen, dann sinkt der Blutdruck, weil sich durch das warme Wetter die Blutgefäße weiten. Dies kann zusätzlich ermüdend wirken. Organe wie die Schilddrüse könnten sich noch nicht auf die warme Jahreszeit eingestellt haben. Das eine Organ ist bereits im Sommermodus, während etwa das Herz noch im Wintermodus schlägt. Bis sich die Zellen von allen Organen wieder an das aktuelle Klima angepasst haben, dauert es eben bis zu vier Wochen.

Auf Schlafhygiene achten!

Doch wie ist gegen diese besondere Art der Müdigkeit anzukämpfen? „Wichtig ist es, dass auf eine ordentliche Schlafhygiene geachtet wird“, sagt Mediziner Varelis. Was er damit meint: Nicht vor dem Fernseher einschlafen, abends nicht zu viel Kaffee und Alkohol trinken und generell dafür sorgen, dass man nachts mindestens sechs bis sieben Stunden durchschlafen kann. Wer sich zu sportlichen Aktivitäten aufraffen kann, der soll Gymnastik an der frischen Luft machen – dann kommt der Kreislauf in Schwung. Zudem wissen Experten, dass bei gesunder Ernährung mit viel Obst und Gemüse die Müdigkeit oft verfliegt. Durch die Hormonumstellung braucht der Körper mehr Vitamine als üblich.

Doch Vorsicht: Nicht zu verwechseln ist die zwar nervige aber im Grunde harmlose Frühjahrsmüdigkeit mit einer Schlafapnoe, wie HNO-Arzt Marcus Zwingmann aus Frankfurt erläutert: „Ähnlich wie bei der Frühjahrsmüdigkeit fühlen sich die Patienten nicht ausgeschlafen, trotz langen Schlafes. Im Extremfall haben sie die sogenannte Tagesschläfrigkeit, über die oft als Sekundenschlaf berichtet wird.“ Wer an einem solchen Phänomen leide, der müsse unbedingt ärztlich untersucht werden, da Patienten mit Schlafapnoe ein acht Mal höheres Risiko hätten, an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erkranken.

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