Experte für Finanzmärkte, über den Wert des Sparens

Tipps: Geld-Anlegen mit dem magischen Dreieck

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Region Rhein-Main - Am 30. Oktober ist Weltspartag. Aber lohnt sich Sparen überhaupt noch? Jan Philip Weber, Experte für Geldpolitik und Finanzmärkte beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, erklärt, wie es um die Tradition des Sparens bestellt ist. Von Dirk Beutel 

Seit 1925 will der Weltspartag das Bewusstsein schärfen, wie wichtig und fruchtbar Sparen auch für die Volkswirtschaft ist. Allerdings verliert das Geld auf dem Sparbuch oder in der Lebensversicherung an Wert. Wieso ist Sparen dann überhaupt noch sinnvoll?

Ob für die eigene Altersvorsorge, den nächsten Urlaub oder für unvorhergesehene finanzielle Engpässe - für jeden Einzelnen spielt Sparen eine wichtige Rolle. Für die Bundesbürger ist das Altersvorsorgesparen zu einem zentralen Sparmotiv gereift. Viele Bundesbürger haben erkannt, dass derjenige, der im Alter finanziell ausreichend abgesichert sein will, frühzeitig die gesetzliche Rente um eine eigene Vorsorge ergänzen sollte. Denn angesichts der seit Ende der 1960er Jahre sinkenden Geburtenraten und einer gleichzeitig steigenden Lebenserwartung wird es dem Staat zunehmend schwerer fallen, ein Rentenniveau auf heutigem Niveau zu gewährleisten.

Wer ist der klassische Sparer, und wie viel legt er zurzeit in der Regel zurück?

Den „klassischen“ Sparer gibt es in Deutschland so nicht. Denn jede Privatperson und jedes Unternehmen hat ganz eigene und damit unterschiedliche Ziele. Daher fällt das Sparverhalten individuell verschieden aus. Darüber hinaus geht in der Realität das Sparen schon lange weit über das klassische Sparbuch hinaus. Sparen für das Alter erfolgt in der Regel über verschiedene Anlageformen, zum Beispiel Fonds oder Bankeinlagen. Aber auch der Erwerb eines Eigenheims kann bei der privaten Altersvorsorge eine tragende Rolle spielen. Einen hohen Stellenwert haben bei Bundesbürgern auch Kapitallebensversicherungen.

Die privaten Haushalte in Deutschland haben in den vergangenen Jahren ihre Sparanstrengungen zurückgefahren. Dabei dürfte die Niedrigzinspolitik der EZB zu einer Niveauverschiebung der Sparquote von etwas mehr als einem Prozentpunkt geführt haben. Die privaten Haushalte haben also im Hinblick auf die eigene Altersvorsorge bislang besonnen auf die Niedrigzinsphase reagiert. Aktuell zeichnet sich ab, dass die Sparquote sich nahe der Neun-Prozent-Marke einpendelt. Für das Jahr 2014 und 2015 rechnet der BVR mit einer Sparquote von rund neun Prozent. In den kommenden zehn Jahren dürfte die demographische Entwicklung einen Rückgang der Sparquote in Deutschland erzeugen. Denn in der Regel wird im Ruhestand weniger gespart. Die Sparquote dürfte bis 2025 auf unter sieben Prozent fallen.

Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, hat mit seiner Strategie, dem Strafzins auf Geldeinlagen kombiniert mit einem historisch niedrigen Leitzins, den Geldwert auf den Kopf gestellt. Wie bewerten Sie diese Maßnahme?

Mit ihrem Aktivismus erweckt die Geldpolitik Erwartungen, die sie nicht erfüllen kann. Das Vertrauen in die Geldpolitik ist ein hohes Gut, das nicht beschädigt werden darf. Wir sehen die jüngste Zinssenkung kritisch und erwarten davon keine tiefgreifenden Impulse für die Euro-Wirtschaft.

Der Ausstieg aus der Nullzinspolitik im Zuge einer vorsichtigen, schrittweisen konjunkturellen Erholung der Euro-Wirtschaft dürfte erst in 2016 ein Thema werden. Sollte das niedrige Zinsniveau wider Erwarten weit über 2016 hinaus Bestand haben, so dürfte das Risiko eines zusätzlichen strukturellen Rückgangs der Sparquote steigen. Ein Zinsniveau, das eine reale Nullverzinsung zulässt, setzt nach wie vor falsche Signale für das Altersvorsorgesparen.

Ist es tatsächlich so, dass wir Sparer indirekt für die Schuldenkrise zahlen müssen?

Das lässt sich pauschal nicht so ohne weiteres sagen. Richtig ist, dass bestimmte und in der Regel besonders sichere Anlageformen momentan zu einer sehr niedrigen Rate verzinst werden. Das schwächt den Ertrag aus dem Einlagengeschäft für den privaten Sparer. Gleichwohl hat die EZB mit ihren geldpolitischen Programmen bei aller Kritik die Euro-Wirtschaft und damit auch die deutsche Wirtschaft gestützt. Davon profitieren alle Bundesbürger und zwar auf dem Arbeitsmarkt, bei der Kreditaufnahme aber auch im konservativen Wertpapier-Anlagegeschäft. Denn wir sollten nicht vergessen: Auch Investitionen in Wertpapiere oder Versicherungen zählen zum Sparen.

Die Erträge halten nicht mit der Inflation schritt. Experten sprechen davon, dass wer sein Geld sicher anlegen will, damit leben muss, dass er stetig an Kaufkraft verliert. Sehen Sie das ähnlich?

Das kommt ganz auf das Anlagegeschäft an. Wer sein Geld für einen etwas längeren Zeitraum bei Banken anlegen möchte, der kann trotz der niedrigen Verzinsung durchaus eine positive reale Verzinsung auf sein Geld bekommen, wenn auch in derzeit bescheidenem Maße. Das liegt unter anderem an der ebenfalls niedrigen Inflationsrate. Diese lag zuletzt in Deutschland bei 0,8 Prozent. Die durchschnittliche Verzinsung von Bankeinlagen mit einer Restlaufzeit von über zwei Jahren in Deutschland lag nach Angaben der deutschen Bundesbank im Neugeschäft bei zuletzt 1,1 Prozent.

Privatanleger wünschen sich meist Sicherheit und Rendite. Beides zu bekommen wird wohl ein Wunschtraum bleiben, oder?

Sicherheit hat ihren Preis in Form vergleichsweise niedrigerer Renditen, das bedeutet aber nicht, dass man damit nicht genug an Zinserträgen verdienen kann. Grundsätzlich gilt es, bei der Anlage des Ersparten einen nachhaltigen und ausgeglichenen Mix aus Risiko und Ertrag zu wählen. Hier dürften die Präferenzen je nach Risikobewusstsein und finanziellen Erfahrungen des privaten Anlegers, seiner Lebenssituation und seinen Zielen verschieden sein. Ein klärendes Gespräch mit einem Anlageberater dürfte dem Einzelnen dabei helfen. Es gilt: Bei der individuellen Entscheidung für passende Anlageformen ist es immer wichtig, die drei Kriterien, die das so genannte magische Dreieck der Geldanlage schön veranschaulicht, zu beurteilen: Sicherheit, Verfügbarkeit (Liquidität) und Rentabilität.

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