„Meine Katze schnurrt zu laut“

Tierheime überfüllt: Die unverschämtesten Ausreden für die Abgabe 

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Region Rhein-Main – Zu spitze Krallen, zu hohe Kosten, und der Sommerurlaub ist auch gestrichen: Wenn das Haustier nervt, entwickeln viele Menschen plötzlich eine Allergie gegen Fell. Von Franziska Jäger

Niemand weiß, warum Roland im Tierheim gelandet ist. Seit er vor zwei Jahren in einem Park ausgesetzt wurde, wartet der verschmuste Labrador in Offenbach auf ein neues Zuhause. Das Schicksal teilt er mit tausenden Haustieren, die abgegeben oder ausgesetzt wurden – oft aus Gründen, die für die Tierpfleger kaum nachzuvollziehen sind.

„Die meisten Besitzer sind überfordert, haben keine Lust mehr oder wollen die Arztkosten nicht tragen“, sagt Tamara Hirning vom Offenbacher Tierschutzverein. Das Heim wird zur bequemen Lösung: „Die Katze schnurrt zu laut oder haart zu viel – das bekommen wir nicht selten zu hören.“ Wenn dann noch die Möbel oder gar der Besitzer unter den spitzen Krallen der verspielten Neuanschaffung leiden müssen, ist die Geduld schnell am Ende.

Tiere würden meist aus Verantwortungslosigkeit und nicht als Notfälle abgegeben, bestätigt Nicole Vorlauf. Sie ist Leiterin des Tierheims Hochtaunus in Oberursel, in dem die meisten Tiere aufgrund von Zeitmangel oder Geldproblemen landen. Zur Ferienzeit ist die Belastung überall groß.

Besitzer informieren sich nicht im Vorfeld

„Die Besitzer informieren sich im Vorfeld nicht über die Eigenschaften und Bedürfnisse ihrer Tiere“, bemängelt Ralf Kurtze vom Landestierschutzverband Hessen. Das tierische Paarungsverhalten etwa ist für viele ein Mysterium. In Offenbach und im Taunus werden zurzeit ganze Tierfamilien abgeliefert. Katzenmütter mit Nachwuchs, aber ebenso trächtige Hamster. „Die Leute lassen ihre Tiere nicht kastrieren“, sagt Nicole Vorlauf, „manche wissen auch gar nicht, dass sich Geschwister vermehren können.“ Die niedlichen Babys werden schneller vermittelt als die kranken oder verhaltensauffälligen Vierbeiner, die zuhauf im Tierschutz landen. Gesucht wird aber ein Mitbewohner, der lange alleine bleibt, nichts kaputt macht und sich kuscheln lässt.

Während die einen ihre Gründe offen nennen, sind andere nicht um Ausreden verlegen. Es sei erstaunlich, sagen die Pfleger, wie viele Menschen nach Jahren plötzlich eine Allergie entwickelten. Mahnende Worte sparen sie sich: „Wir stellen das nicht infrage, zum Wohl der Tiere“, sagt Ralf Kurtze.

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