Am Mittwoch soll Änderung beschlossen werden

Ticketpreis-Revolution: RMV-Grenze zwischen Offenbach und Frankfurt fällt

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Vom Offenbacher Marktplatz nach Frankfurt – das kostet bisher doppelt so viel wie eine Fahrt innerhalb Frankfurts. Das soll sich nun ändern.

Region Rhein-Main – Die Region wächst immer enger zusammen. Längst verschwimmen die Grenzen der Städte. Nur eine hat seit Jahr und Tag Bestand: Die Grenze des RMV-Preisgebiets. Nun soll sie fallen und den Weg für gerechtere Ticketpreise frei machen. Von Christian Reinartz

Wer in Offenbach Ledermuseum in die S-Bahn steigt und nach Frankfurt Mühlberg fährt, zahlt 4,55 Euro Normaltarif – für zwei Stationen und fünf Minuten Fahrzeit. Wer dieselbe Wegstrecke ein paar hundert Meter weiter innerhalb des Frankfurter Stadtgebietes antritt, zahlt nur 1,75 Euro. Eine Differenz, die die Pendler seit Jahren ärgerlich stöhnen lässt, wenn sie ihre Fahrkarten kaufen. Begründet ist der Mega-Preissprung nur durch die Stadtgrenze, an die der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) auch sein Tarifgebiet angeglichen hat.

Doch diese Bastion soll jetzt bei der Aufsichtsratssitzung des RMV am 2. Dezember, gekippt werden. Das erfuhr der EXTRA TIPP jetzt aus Kreisen der Verkehrsbetriebe. Demnach soll es sich bei der fast schon historischen Änderung um eine Art Versuchsprojekt handeln, bei dem die Preisänderungen nur bei online gekauften Fahrten getestet werden sollten. „Es geht darum, die Fahrpreise gerechter zu gestalten und an die tatsächliche Strecke anzupassen, anstatt für eine überfahrene Stadtgrenze mehr zu bezahlen“, erklärt der Insider. Wie schnell die neuen, gerechteren Tarife gelten sollen, weiß der Experte unterdessen nicht. Nur, dass es wahrscheinlich „ganz schnell gehen wird“.

Am Mittwoch soll Änderung beschlossen werden

Als der EXTRA TIPP beim RMV nachfragt, versucht eine Sprecherin erst einmal zu beschwichtigen. Es gehe bei der Änderung ja nicht um alle Tarife, sagt sie. Nur um kurz später vielsagend dicht zu machen. „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns vor der Sitzung dazu nicht äußern werden.“ Viel offener zeigt man sich dagegen auf politischer Seite. Offenbachs Bürgermeister Peter Schneider räumt ein: „Wir arbeiten zusammen mit Frankfurt und anderen daran, die Grenzen aufzuweichen und streben einen entfernungsbasierten Tarif an.“ In Offenbach arbeite man schon viele Jahre daran „diese harte Grenze etwas abzumildern“. Zwar wolle Schneider nichts bestätigen, aber er geht davon aus, dass „wir bald ein Pilotprojekt haben, das wichtige Erkenntnisse bringen wird.“

Und was sagt der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann, der Aufsichtsratsvorsitzender des RMV ist, dazu? „Das Nachbarschafts-Ticket wird kommen.“ Das sei erst, so Feldmann, dank der guten Zusammenarbeit mit den Landräten, seinem Stellvertreter Landrat Ulrich Krebs und der RMV-Geschäftsführung möglich geworden.

Zum Startzeitpunkt will Feldmann keine genauen Angaben machen und erst nach der Sitzung mehr verraten. Er hält allerdings Januar für wahrscheinlich. Das Pilotprojekt könnte dann schon bald das gewohnte Tarifsystem ersetzen. Feldmann: „Am Ende entscheiden immer die Fahrgäste. Wenn sie das Angebot geeignet und spannend finden, kann ich mir eine Weiterentwicklung zu einem regulären Tarifangebot für alle Fahrgäste vorstellen.“

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