Thorsten Bauch hauchte das Mühlheimer Schanz neues Leben ein

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Thorsten Bauch steht dem Verein „eigenArt“ vor, der das „Schanz“ ehrenamtlich mit kulturellem Leben füllt.

Mühlheim – Es war das Jahr 1997, als sich Thorsten Bauch die Nase am Fenster einer leerstehenden Halle im Mühlheimer Gewerbegebiet plattdrückte. Im Jahr darauf eröffneten er und einige Mitstreiter das „Schanz“ und hauchten dem Gelände neues Leben ein. Von Jens Dörr

„Am Anfang war die Halle total nackt“, erinnert sich Bauch. Mit einer Gruppe von Gleichgesinnten sucht er damals einen festen Standort für das Comedy-Musical „König Henningers Mondfahrt“. Um viel Arbeit beim Touren mit dem Musical – Auf- und Abbau etwa – zu sparen, nahmen die Freizeit-Kulturellen noch mehr Arbeit in Kauf: Nachdem sich der damalige Bürgermeister Karl-Christian Schelzke vermittelnd eingebracht hatte, durfte sich die Gruppe einmieten. „Wir zahlen einen regulären Marktpreis“, sagt Bauch. Einige Zeit später gaben sich die Umtriebigen mit dem Verein „eigenArt“ ein Dach. Simon Goss, Lutz Gödelmann, Matthias Spahn und Klaus Schmitt hießen die anderen Gründungsmitglieder, später stieß auch Marc Goss hinzu. Bauch wurde der Vorsitzende und ist es bis heute. Egozentrik ist ihm fremd – wo immer möglich, betont er die Leistung des Teams, das das „Schanz“ längst über die Grenzen Mühlheims hinaus bekannt gemacht hat.

Schanz ist mehr ein Hobby denn eine Einnahmequelle

Bald wird auch ein Inhaber einer Praxis für Heiltherapie dazugehören – Bauch selbst. Denn eine solche Praxis will er demnächst eröffnen, obwohl das Treiben im „Schanz“ eine Größenordnung angenommen hat, die weder er noch seine Mitstreiter einst für möglich gehalten hätten. Drei oder vier Veranstaltungen pro Woche bietet der Kulturtempel in der Carl-Zeiss-Straße an, das Mitwirken soll aber Hobby bleiben. Die Gastronomie, die an ein Unternehmen vergeben ist, hat täglich von Montag bis Samstag geöffnet. Den Kulturbetrieb stemmt „eigenArt“ ehrenamtlich und ohne Gewinnerzielungsabsicht. Ein kleiner Überschuss bleibt, eine ernsthafte Einnahmequelle stellt der aber für keinen des Kern-Teams dar. Lediglich Techniker und Service-Kräfte verdienen im „Schanz“ Geld.

Im Schanz wird oft gelacht, aber auch gefeiert

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Und natürlich manche jene ambitionierten Künstler, die das „Schanz“ neben regionalen Acts und Gesellschaften – auch Hochzeiten werden dort gefeiert – mit Leben füllen. Comedian Hennes Bender war schon da und ihm muss es gefallen haben, denn im Frühjahr kommt er erneut. Wo Stahl-Schanz bis in die 80er hinein Türzargen produzierte, gibt’s auch Quiz-Abende, Konzerte von Cover-Bands oder Theater aus Offenbach. Weniger massenkompatibles kann zukünftig ins „Wohnzimmer“, den kleinen Nebensaal, verlagert werden.

Meist sind die Veranstaltungen ein Erfolg, auch wenn es schon mal Reinfälle gab. „Wir haben bis heute keine Regel gefunden, wann ein Event funktioniert“, gibt Bauch zu. Klar: Bei Cover-Bands oder den Vorstellungen lokaler Theatergruppen sei die Hütte meist voll, auch bei den beiden Folgeteilen des Henninger-Musicals „König Henninger in Transsylvanien“, das sie einst in die leere Fabrikhalle trieb. Eine gewisse Ungewissheit bleibe aber immer.

Infos: www.schanz-online.de

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