Trommeln mit Umhang und Hirschgeweih

Germanen-Schamane kämpft für alten Glauben

+
Bei einem Mai-Ritual trägt Voenix keine Maske.

Region Rhein-Main – Einer der wenigen Schamanen Deutschlands lebt mitten im Rhein-Main-Gebiet.  Im EXTRA TIPP verrät er, warum es kein Klischee ist, wenn Heiden im Lendenschurz ums Feuer tanzen, warum der Teufel immer eine Rolle spielt, und wann er selbst zum Gehörnten wird. Von Christian Reinartz

Thomas Vömel ist der Gestalt gewordene nordische Gott – so zumindest lässt sich sein Aussehen am besten beschreiben. Ein Riese von einem Kerl, eine Figur wie Conan der Barbar und lange blonde Haare, die an den Schläfen ausrasiert sind. Dazu eine tiefe volle Stimme, die seine Zuhörer in den Bann zieht. Kein Wunder, dass dieser Mann seinen bürgerlichen Namen nur noch auf dem Personalausweis hat. Ansonsten ist Thomas Vömel der Schamane Voenix, einer der wenigen, die es überhaupt in Deutschland gibt. Und einer, der sich mit keltischer, germanischer und nordischer Mystik auskennt, wie kein anderer. Zahlreiche Bücher hat der Mann schon zum Thema veröffentlicht. Als einer der aktiven Köpfe der deutschen Heidenszene kämpft er für die Rückkehr der alten germanischen Religion. „Es gibt schon tausende Heiden in Deutschland. Und es werden immer mehr“, sagt Voenix. „Mein Ziel ist es, dass die Gesellschaft uns irgendwann als gleichwertige Religion akzeptiert.“

Zur Mythologie hingezogen

Schon im Jugendalter bemerkt Voenix, dass er sich zur nordischen Mythologie hingezogen fühlt. Vor allem das „Wilde im Mann“, wie er sagt, ist ihm ein wichtiges Anliegen. Im Keltischen steht für diese Eigenschaften der gehörnte Hirschgott Cernunnos.

„Doch das Wilde, das Unbändige ist in unserer Gesellschaft nur negativ, mit dem Teufel besetzt.“ Das sei jedoch erst seit der Christianisierung so. „Deshalb ist es mir wichtig, den Gehörnten zu entdämonisieren.“

Was folgt, sind Jahre des Studiums. „Ich habe die ganze Literatur gewälzt und mich in das Thema eingearbeitet. Das hat mich brennend interessiert.“ Währenddessen beginnt Voenix zu malen. Erst nur Comics, später dann großformatige Gemälde in realistischer Airbrush-Technik. Allesamt Motive, die vom nordischen Glauben inspiriert sind.

Germanisch-keltischer Glaube

Voenix steigt immer tiefer in den heidnischen Glauben ein, nimmt an zahlreichen Ritualen in den Wäldern der Region teil, macht sich als Künstler einen Namen in der Szene. Zeitgleich beginnt er, sich regelmäßig „in den Archetypen des Gehörnten“ zu verwandeln. „Ich habe dann nur einen Lendenschurz an und eine Maske mit einem riesigen Hirschgeweih auf dem Kopf.“ So tanzt der Hüne bei Heidenfesten ums Feuer und inspiriert mit seiner Anwesenheit zahlreiche Anhänger des germanisch-keltischen Glaubens. „Ich wurde oft von Heiden aus ganz Deutschland angefragt, ob ich nicht auch bei ihnen als Hirschgott auftreten könne.“ Und Voenix tat es, jahrelang.

Er leitet die Heiden bei den Ritualen an

Lesen Sie auch:

Frankfurter Druide fordert Akzeptanz

Hexen zaubern jetzt im Verein

„Aber da war ich noch jünger“, sagt Voenix. Heute ist der Mann 45 Jahre alt, hat eine kleine Tochter und verbringt einen großen Teil seiner Zeit bei seiner Freundin in Frankfurt. „Meine Funktion hat sich im Lauf der Jahre gewandelt“, sagt Voenix. Heute leitet er selbst die Heiden bei ihren Ritualen an. Geblieben ist die Maske mit dem Hirschgeweih. Seinen muskelbepackten Körper verbirgt er unter einem weiten Mantel. „Ich bin jetzt ein Schamane, der Menschen, wie ein Coach, in Glauben und Lebensfragen begleiten möchte“, sagt Voenix.

Dazu gibt der Teilzeit-Frankfurter Seminare, bei denen Männer im Wald lernen können, wieder in Kontakt mit „dem Wilden im Mann“ kommen zu können. „Dort erleben sie dann ihre ureigenen Qualitäten als Mann. Und warum der Gehörnte in jedem von uns steckt.“ Wer mehr über Voenix und sein aktuelles Buch „Der Gehörnte erfahren will“, klickt auf www.voenix.de.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare