Kunden sind Banker und Broker 

Thomas Ganick ist Schuhputzer: Dreckige Schuhe sind sein Geschäft

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Auch Prominente wie Börsenkorrespondent Mick Knauff vertrauen Thomas Ganick ihre Schuhe an.

Frankfurt – Von oben nach unten, kreisend, mit schnellen und geübten Bewegungen: Thomas Ganick  sitzt in gebückter Haltung auf einem Hocker, lässt das Leinentuch über die Schuhe seines Kunden gleiten. Der 50-Jährige ist im Rhein-Main-Gebiet als Schuhputzer unterwegs. Von Fabienne Seibel

Früher legte der ehemalige Berliner selbst keinen Wert auf saubere Schuhe und kam vor zehn Jahren nur zufällig zum Schuheputzen. „Ich war unzufrieden mit meinem Job und habe nach etwas Neuem gesucht. In einem Zeitungsartikel habe ich von einem Schuhputzer in Hamburg gelesen und da war die Idee geboren, das auch zu machen.“

Von seinem Ersparten kaufte sich Ganick einen Schuhputzstuhl und eignete sich selbst alles Wissen rund um den Schuh an. Ihm wurde klar, dass Frankfurt mit seinen Bänkern, Unternehmern und Aktienhändlern für ihn als Schuhputzer größeres Potential hat. „Hier in Frankfurt sind viele Leute berufsbedingt an einen bestimmten Dresscode gebunden, der auch hochwertige und gepflegte Schuhe verlangt. Also bin ich hier her gezogen“, sagt Ganick. Er gründete seine Ein-Mann-Firma „Mein Schuhputzer“ und fährt zum Schuheputzen auf Messen, Kongresse, in Büros, Schuhgeschäfte und zu Kunden nach Hause. Außerdem gründete er den landesweit ersten Schuhpflegeversand. „Man kann mir Schuhe auch per Post zukommen lassen und ich schicke sie nach dem Putzen wieder zurück“, sagt Ganick.

Frauen Schuhe sind meist ungepflegter

Wer nur mal schnell unterwegs seine Schuhe putzen lassen will, kann immer dienstags vormittags im Frankfurter Messeturm beim Stand von Thomas Ganick vorbei kommen. Außerdem berät er Mann und Frau beim Einkauf der neuesten Treter. Heute ist er überzeugt: „Wenn man langfristig etwas von seinen Schuhen haben will, sollte man in teures Schuhwerk investieren und nicht jede Saison ein neues, günstiges Paar kaufen.“

Ganick verrät: „Übrigens treffen die gängigen Klischees in Sachen Schuhe überhaupt nicht zu. Ich hab schon viele Haushalte gesehen, in denen die Männer weitaus mehr Paar Schuhe hatten. Die Schuhe von Frauen sind zudem meistens in einem schlechteren Zustand.“

200 Kilo schwere Ausrüstung zum Putzen

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Wenn er auf Veranstaltungen die Rosshaarbürste und das Poliertuch kreisen lässt, ist er in seinem 20er-Jahre-Outfit aus Schiebermütze, Hosenträger und schwere Baumwollhosen und mit seiner rund 200 Kilo schweren Ausrüstung eine echte Attraktion. Er schwärmt: „Der Kontakt zu den Leuten macht das Schöne an meinem Beruf aus. Ich kann mich mit jedem nett unterhalten und bekomme viel Lob und positives Feedback.“ Trotzdem ist es vielen unangenehm, auf dem Stuhl von Ganick zu thronen. „Manche empfinden es als dekadent, wenn ich ihnen die Schuhe putze und reagieren mit Scheu. Das kann ich nicht verstehen, denn die Leute lassen sich doch auch auf vom Friseur die Haare waschen“, sagt Ganick. Sein großer Traum ist es, am Frankfurter Flughafen einen Schuhputzstand zu eröffnen. Seit Jahren kämpft er dafür. Ganick: „An anderen Flughäfen in Deutschland und im Ausland gibt es auch Schuhputzer. Für Geschäftsleute, die beruflich unterwegs sind, wäre es optimal, sich vorher nochmal über die Schuhe putzen zu lassen.“ Bisher stößt er damit auf taube Ohren.

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