Mit dem Cello spendet er Wärme

Thomas Beckmann spielt zugunsten frierender Obdachloser in Frankfurt

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Eine Obdachlose friert im Frankfurter Bahnhofsviertel.

Frankfurt – Jacken sind bei eisigen Temperaturen nicht genug: Wohnungslose kämpfen bei Frost im Rhein-Main-Gebiet ums Überleben. Musiker Thomas Beckmann gibt zum elften Mal ein Benefiz-Konzert in Frankfurt. In den letzten Jahren hat er 70.000 Euro für die Region eingespielt. Von Janine Drusche

Während für die meisten Leute in den hiesigen Breitengraden Kälte höchstens etwas unangenehm ist, da sie dem Frost in den eigenen vier Wänden mit Heizung entfliehen können, gibt es auch hier Menschen, die wirklich Angst vor der Kälte haben müssen: Obdachlose bibbern in der eisigen Luft des Winters. Viele haben nicht einmal Mütze oder Handschuhe.

Das Leben von wohnungslosen Menschen steht auf dem Spiel, wenn es friert und sie keine Hilfe bekommen oder in Einrichtungen unterkommen können. Musiker Thomas Beckmann will das ändern und tourt deshalb mit seinem Cello quer durch Deutschland.

Mit dem Cello die Herzen erreichen

Beckmann mit Cello.

Der Spitzen-Cellist hat vor 20 Jahren die Initiative „Gemeinsam gegen Kälte“ gegründet. Er spielt im März in der Frankfurter Liebfrauenkirche und verzichtet zugunsten von Obdachlosen auf seine Gage. Beckmanns Spiel bezaubert das Publikum und sorgt für Spenden. Schließlich geht es darum, Menschen zu helfen, denen es schlechter geht – die besonders im Winter Schwierigkeiten haben, auf der Straße zu überleben.
„Die Herzen der Menschen mit dem Cello für die Not der Ärmsten zu erweichen“, ist das Ziel des Düsseldorfers. Er ist stets guter Dinge: „Die Musik ist eine unbezwingbare Macht des Guten“, sagt der 58-Jährige. Weil zwei Frauen 1993 in Düsseldorf erfroren, während andere fröhlich über den Weihnachtsmarkt schlenderten, fasste Beckmann den Entschluss, etwas zu tun.

Stücke von Tschaikowsky bis Schumann

Er gründete die Initiative „Schlafsäcke für Obdachlose“, die drei Jahre später zu dem Verein „Gemeinsam gegen Kälte“ wurde. Bundesweit unterstützen die Mitglieder wohnungslose Menschen, indem sie Spendengelder an caritative Einrichtungen weitergeben, die Obdachlosen über den Winter helfen. Rund 1,5 Millionen Euro hat der international anerkannte Cellist schon bei etwa 500 Benefiz-Konzerten eingespielt.

Mit seinem Instrument „Il Mendicante“ – der Bettler – präsentiert Beckmann Stücke von Tschaikowsky bis Schumann auch in Frankfurt. Die Liebfrauenkirche bietet dem Cellisten am 4. März ab 19.30 Uhr Raum, die Musik zu genießen und gleichzeitig etwas Gutes zu tun. Spendengelder gehen unter der Schirmherrschaft der Sozialdezernentin Frankfurts, Daniela Birkenfeld, an den Caritasverband, den Frankfurter Verein und das Diakonische Werk der Mainmetropole. Letzteres setzt sich dafür ein, weg von dem Begriff „Almosen“ zu kommen und stattdessen Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten.

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