Neues System sorgt für Missverständnisse

Terminservice für Fachärzte: Unsinnig und kaum genutzt

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Einen zeitnahen Termin beim Facharzt bekommen Patienten nur in dringenden Fällen vermittelt. Für alle anderen heißt es nach wie vor: Warten

Region Rhein-Main – Laut Gesetz sollen neue Service-Hotlines innerhalb von vier Wochen einen Termin beim Facharzt vermitteln – bei dringlichen Überweisungen. Das stiftet Verwirrung bei Patienten. Und Unmut bei der Kassenärztlichen Vereinigung. Von Franziska Jäger

„Die Nachfrage der Patienten ist ruhiger als erwartet“, sagt Petra Bendrich von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH). Die hat zum 23. Januar auf Geheiß des Gesetzgebers eine Terminservicestelle eingerichtet, die bei der Vermittlung eines Facharzttermins innerhalb einer vierwöchigen Frist helfen soll. Die Bedingungen hierfür überlesen Patienten gerne mal: Das Angebot gilt nur für dringliche Überweisungen, also Fälle, die innerhalb eines Monats einer Behandlung bedürfen. Bagatellerkrankungen und Routineuntersuchungen sind hiervon ausgeschlossen.

Überweisungscode ist nötig

Wer die Hotline nutzen möchte, benötigt einen speziellen Überweisungscode vom Hausarzt. „Viele Anrufer haben keine Überweisung oder eine Überweisung ohne Code“, berichtet Bendrich von Missverständnissen. 2147 Anrufe hat die Servicestelle seit Beginn bis zum 12. Februar angenommen. Vermittelt wurden allerdings nur 614 Termine – die restlichen Anrufer erfüllten die Bedingungen nicht.

Die Fachärzte sind angehalten, freie Termine für den Service zu reservieren. Dringend benötigt werden diese beim Neurologen und Psychiater, beim Rheumatologen, Augenarzt und Orthopäden. Ihren Wunscharzt aussuchen können sich die Patienten aber nicht. Und auch längere Anfahrtswege müssen in Kauf genommen werden.

Die Patienten fragen auch nicht nach der Hotline

Die KVH bezeichnet die verpflichtende Einrichtung der Servicestellen als unsinnige „Symbolpolitik“. Für das medizinische Fachpersonal entstünden unnötige Diskussionen und ein höherer bürokratischer Aufwand. Das Problem fehlender Termine in Dringlichkeitsfällen sei zudem nicht flächendeckend: Bisher hätten Hausärzte ebenso erfolgreich das Gespräch mit den Fachkollegen gesucht, um Patienten schneller überweisen zu können.

An dieser Vorgehensweise halten die Praxen auch nach der Einführung der Service-Hotline fest. „Wir vermerken – wie schon früher – einen Dringlichkeitshinweis auf den Überweisungen, mit dem Patienten schneller an einen Termin kommen“, heißt es in einer Hanauer Praxis. Weitere Allgemeinmediziner im Rhein-Main-Gebiet bestätigen, die Servicenummer noch kein einziges Mal herausgegeben zu haben: „Die Patienten fragen auch nicht danach“, sagen die Mitarbeiterinnen. Die Zahl der Anrufe bei der KVH-Hotline war vor allem an den ersten beiden Tagen hoch. Seither sinkt sie von Woche zu Woche.

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