Tempo 30 in der Nacht: Gute Idee oder reine Abzocke?

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Noch ist es eine Fotomontage, doch bald Realität auf Frankfurts Straßen: Ein zeitbegrenztes Tempolimit wie am Mainkai soll nachts Autofahrer bremsen und Lärm reduzieren.

Frankfurt – Schwere Zeiten brechen bald für Autofahrer in Frankfurt an. Denn wer bisher abends zügig durch die Mainmetropole kam, wird nach den Plänen von Politikern bald öfter auf die Bremsen treten müssen. Auf den Hauptverkehrsstraßen geht‘s dann mit höchstens 30 Stundenkilometer vorwärts. Von Andreas Einbock

Geht es nach dem Willen der Schwarz-Grünen Koalition, dann stehen Frankfurt ruhigere und langsamere Zeiten bevor. Zumindest nachts, auf den großen Verkehrsverbindungen und für deren Anwohner. „Bis jetzt ist erst die Grundsatzentscheidung gefallen, dass es einen Testlauf geben wird. Wann es konkret losgeht, ist noch offen“, sagt Olaf Cunitz, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Römer, und ergänzt: „Der Ursprung liegt in einer EU-Richtlinie, die bei uns offene Türen eingerannt hat. Denn wir beschäftigen uns schon länger mit der Lärmproblematik.“

Den Frankfurter Tempo-30-Nachtplan arbeitet Christine Jack vom Umweltamt aus. „Wir erwarten eine Lärmreduzierung um jeweils drei Dezibel, was Voraussetzung für die Auswahl einer Teststraße ist“, so Jack, für die der Autolärm eines der Hauptprobleme in Frankfurt ist. Kritikern versucht Jack den Wind aus den Segeln zu nehmen: „So ein Tempolimit steht immer im Verhältnis zu Schallschutzfenstern und neuen Straßendecken“. Und für deren Kosten müsste die Stadt aufkommen. Fest steht für sie, „dass nichts ohne Aussicht auf Erfolg getestet wird.“

14 Kilometer stehen den Testlauf zur Auswahl

Welchen Straßen für den Testlauf in Frage kommen, steht im Lärmaktionsplan Hessen, an dem Rolf Michelssen vom Regierungspräsidium in Darmstadt mitgearbeitet hat. „Für Frankfurt haben wir insgesamt 14 Kilometer auf den Grundnetzstraßen vorgeschlagen“, so Michelssen.

Ein Testabschnitt müsse mindestens 60 Dezibel in der Nacht und 70 Dezibel am Tag aufweisen. Michelssen: „Außerdem müssen die Ausweichstraßen und die Ampelschaltungen geprüft werden.“ Für die gesamten 14 Kilometer bräuchte man elf Minuten länger, würde man mit 30 statt 50 Stundenkilometern fahren. „Der Ball liegt seit zwei Jahren bei den Frankfurtern, um sich für die Straßen zu entscheiden“, sagt Michelssen.

ADAC bezweifelt Lärmminderung

Entscheidend dürfte die Meinung von Anwohnern, Autofahrern sowie von Gewerbetreibenden sein. Denn viele bekommen auch nachts Waren angeliefert und sind auf schnelle Wege angewiesen. Kritisch sieht man die nächtliche Tempoeinschränkung beim ADAC. „Wir lehnen das Vorhaben ab, weil es nicht zu einer wahrnehmbaren Lärmminderung führen wird“, sagt Wolfgang Herda. Stattdessen würde es Entlastungsfunktionen der Hauptstraßen gefährden, prognostiziert der Experte vom Automobilclub. „Zudem wird die mangelnde Akzeptanz bei den Menschen ein hohes Maß an mobilen und stationären Geschwindigkeitsmessgeräten erfordern.“

Effektiver sind nach Herdas Einschätzung lärmarme Fahrbahnen, eine bessere Verkehrslenkung durch mehr „Grüne Wellen“, mehr Verkehrskontrollen in der Nacht, leisere Fahrzeuge und eine umweltschonende Fahrweise.

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