Betrug durch Nebenerwerb

Teil dich reich: Mit eigener Wohnung, Auto und dem Bahnticket

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Mitfahrgelegenheiten dienen nicht immer dazu, leere Plätze im Auto zu füllen. Schwarze Schafe kassieren ab und machen aus den Fahrten ein professionelles Gewerbe.

Region Rhein-Main – Teilen ist das neue Besitzen: Immer mehr Menschen machen ein lukratives Geschäft indem sie ihre eigene Wohnung vermieten, das Auto teilen oder die freien Plätze ihres Bahntickets verkaufen. Von Angelika Pöppel 

Getreu dem Motto: „Teilen ist das neue Besitzen“ liegt etwa die Vermietung der eigenen Wohnung an Kurzurlauber voll im Trend. Die Stadt Frankfurt geht davon aus, dass so rund 1000 Wohnungen dem Wohnungsmarkt entzogen werden. „Diese Räume, die bisher Familien zum Wohnen dienten, werden als günstiger Hotelersatz für Messegäste, Geschäftsreisende und Touristen genutzt. Für die Eigentümer ist diese gewerbliche Nutzung ein äußerst lukrativer Nebenerwerb. Jedoch wird die bestehende Wohnungsknappheit weiter verschärft“, sagt Planungsdezernent Olaf Cunitz.

Auch Mietwohnungen werden illegal untervermietet

Viele Frankfurter bieten sogar ihre Mietwohnung an, obwohl das meistens im Mietvertrag untersagt ist. Auch Marco, der anonym bleiben möchte, vermietet seine stadtnahe Wohnung seit Jahren professionell. „Dabei geht es hauptsächlich ums Geld“, gibt er zu. Im Schnitt ist ein Zimmer seiner Drei-Zimmer-Wohnung 15 Nächte im Monat belegt. „Ich nehme 30 bis 40 Euro die Nacht, zu Messe-Zeiten etwas mehr“, sagt Marco. So verdient er in guten Zeiten rund 350 Euro im Monat – die Hälfte seiner Miete ist damit wieder drin. Auf das Geld sei er nicht angewiesen, aber die Untervermietung sei ein lukrativer Nebenverdienst.

Gericht entscheidet gegen Privatvermietung

Das Amtsgericht Frankfurt entschied vergangene Woche gegen die Privatvermietung einer Eigentumswohnung. Ein Frankfurter musste 1100 Euro Bußgeld zahlen. Denn die Vermietung stellt einen Verstoß gegen das Baurecht dar. Bestimmte Gebiete sind ausschließlich als Wohngebiet geplant. Für eine hotel-ähnliche Vermietung müssen Besitzer eine Genehmigung bei der Bauaufsicht einholen. „Viele wissen das einfach nicht“, sagt Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats in Frankfurt. Bereits 430 Vermieter meldeten sich deshalb beim Amt und bieten ihre Wohnung seitdem nicht mehr im Internet an.

Neben Wohnungen wird auch das eigene Auto geteilt

Doch erreichen will die Bauaufsicht die Anbieter im Internet. Auf Portalen, wie Airbnb, Wimdu oder 9flats können die Wohnungen kostenlos eingestellt werden. „Die machen diese Art von Geschäften möglich und sollten die Nutzer auf die Rechtslage hinweisen“, sagt Gellert.

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Immer mehr Großstädter vermieten ihre Wohnung an Touristen

Doch nicht nur die eigene Wohnung teilen immer mehr gegen Geld – auch das eigene Auto. Bei Mitfahrzentralen melden Autofahrer ihre Fahrt an und nehmen gegen einen geringen Preis weitere Passagiere mit. „Ziel ist es, die freien Plätze zu füllen, wenn man so oder so fährt“, sagt Simon Baumann, Sprecher von www.mitfahrgelegenheit.de. Doch auch hier wird getrickst: Betrüger fahren gezielte Strecken – meist zwischen Großstädten – und machen aus der Mitfahrt ein professionelles Gewerbe. So kann es passieren, dass eine Fahrt von Frankfurt nach Stuttgart in einem Kleinbus mit zehn Passagieren endet und über sechs Stunden dauert, weil ständig neue Mitfahrer eingesammelt werden. Die Betreiber löschen zwar regelmäßig auffällige Profile, doch „es bleibt ein Katz und Maus Spiel“, sagt Mitfahr-Experte Baumann. Er empfiehlt: „Fahrten immer über das Portal buchen und nicht telefonisch vereinbaren. Wenn Fahrten über das Portal abgesagt werden, auf keinen Fall mitfahren.“ Das Portal habe ein spezielles Team aufgestellt um die schwarzen Schafe ausfindig zu machen. Doch der Betrug bleibe weiterhin ein Problem.

Trickser beim Bahnticket

Auch die Deutsche Bahn  kämpft gegen die teilenden Trickser an. Besitzer von Sondertickets mit denen bis zu fünf weitere Passagiere mitfahren dürfen, verkaufen diese freien Plätze an Fremde. Das ist ausdrücklich verboten. In Bayern und Baden-Württemberg wurde das System so häufig umgangen, dass die Bahn eingriff. Seit dem 1. Dezember müssen alle Mitfahrer das Ticket beim Kauf unterschreiben, um das Weitergeben zu unterbinden, sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn. In Hessen gibt es diese Regelung noch nicht.

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