Technikwunder mit Propeller

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Die Beechcraft Super King Air 350 bei einem Einsatz am Flughafen in Frankfurt. Immer wieder dreht sie ihre Runden, um die acht Landesysteme zu testen. 

Region Rhein-Main – Die Beechcraft Super King Air 350 wird meist als Privatjet genutzt. Allerdings nicht von der Firma Flight Calibration Services (FCS) aus Braunschweig. Von Julia Renner

Die Spezialisten drehen mit der Propellermaschine ihre Runden über Flughäfen, um die Genauigkeit der Instrumente am Boden zu messen. In der vergangenen Woche war die Beechcraft mal wieder in Frankfurt im Einsatz. Bis auf einige Ausnahmen ist es nachts ruhig am Frankfurter Flughafen. Doch wenn die Beechcraft anrückt, ist sie fast ausschließlich nachts unterwegs. „Damit sie den Flugbetrieb nicht stört“, sagt Ute Otterbein von der Deutschen Flugsicherung (DFS).

In verschiedenen Höhen und in unterschiedliche Richtungen fliegt der Pilot beim nächtlichen Einsatz, sinkt manchmal auf bis zu 20 Meter hinab, bevor er wieder durchstartet. Getestet wurden dabei in der vergangenen Woche die acht Instrumentenlandesysteme, die direkt an den Start- und Landebahnen stehen. „Die ermöglichen eine präzise Landung bei jeder Wetterlage und sind deshalb ein ganz wichtiger Bestandteil“, sagt Otterbein.

Während der Flüge misst die mit allerlei Technik ausgerüstete Maschine Stärke, Breite und Höhe der Mess-Strahlen vom Boden. Weil sich Piloten und Fluglotsen auf die Signale verlassen, werden sie entsprechend streng geprüft. „Jedes einzelne Instrumentenlandesystem wird alle 180 Tage vermessen“, sagt Ute Otterbein.

An Bord der kleinen Maschine wird zu dritt gearbeitet: Neben Pilot und Co-Pilot ist ein Experte dabei, der die Daten auswertet. „Sofort nach der Messung gibt es dann einen vorläufigen Bericht“, sagt Rüdiger Schmidt, Chef von Flight Calibration Service. „Und in der Regel ist alles in Ordnung.“ Mehrere Tage brauchen die Fachleute, um alle acht Anlagen in Frankfurt zu vermessen. „Für eine Anlage brauchen wir etwa vier Stunden“, sagt Schmidt. Dann steht genau fest, ob die hochfrequenten Strahlen eine korrekte virtuelle Anfluglinie bilden, oder ob sie beispielsweise zu hoch oder zu weit links liegen.

Auch bei der Deutschen Flugsicherung werden die Daten dann nochmals überprüft. „Es gibt eigens einige Experten für die Landesysteme“, sagt Ute Otterbein.

Die Vermessung war auch nötig geworden, weil vergangene Woche an der Flughafen-Südbahn ein neues Instrumentenlandesystem in Betrieb genommen wurde. Schon während das alte System abgebaut wurde, hat die Neu-Installation begonnen.

Am 14. Juni soll die Installation abgeschlossen sein. Bis dahin, so die Deutsche Flugsicherung, kommt es zu einer größeren Streuung der Anflüge.

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