So realistisch sind die Bücher von Nele Neuhaus

Taunus-Krimis: Spannender als der Gerichtsmedizin-Alltag

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Professor Dr. Hansjürgen Bratzke leitet das Institut für Forensische Medizin in Frankfurt – und ist Fan der Bücher von Nele Neuhaus.

Frankfurt/Kelkheim – Das Buch war noch nicht erschienen, da war es schon ganz oben auf der Bestsellerliste: „Wer Wind sät“ der Kelkheimer Autorin Nele Neuhaus. Hunderttausende Fans haben den Roman mittlerweile gelesen. Doch wie realistisch sind die Krimis von Neuhaus? Der EXTRA TIPP hat beim Experten nachgefragt. Von Julia Renner

Es geht um ein Projekt, das die Menschen im Taunus spaltet: Windräder sollen gebaut werden. Viele sind dagegen, eine Bürgerinitiative gründet sich, es wird erbittert gekämpft. Der erste Tote ruft schließlich Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein auf den Plan. Die Ermittler des K11 aus Hofheim haben schließlich alle Hände voll zu tun, denn bei einem Toten bleibt es nicht. Eine spannende Geschichte, die Nele Neuhaus in ihrem aktuellen Buch erzählt. Und durchaus realistisch, sagt Professor Dr. Hansjürgen Bratzke.

Der Leiter des Instituts für Forensische Medizin in Frankfurt wird oft von Schriftstellern um Rat gefragt: „Es ist nicht außergewöhnlich, dass mich jemand um meine Meinung bittet, wenn gewisse Passagen von forensischen Inhalten handeln“, sagt er. Das hat auch Nele Neuhaus getan.

Beim aktuellen Buch hat sie den Rat des Forensikers nicht gebraucht, bei den Romanen „Mordsfreunde“ und „Schneewittchen muss sterben“ jedoch schon. „Ich habe ihr beispielsweise Fotos gezeigt, wie eine mumifizierte Leiche aussieht.“ Sie haben auch darüber gesprochen, was auffällig an einem Erhängten wäre, wenn dieser sich selbst umgebracht hätte.

Die Bücher seien spannender als die Realität, sagt Bratzke. Wenn im Alltag so viele Menschen wie im Buch sterben würden, „dann hätten wir hier ganz schön viel zu tun“. Unrealistisch seien die Bücher von Neuhaus aber nicht. „Sie sind eingebettet in eine gewisse Realität.“

Dass ein Buch spannender sein muss als die tägliche Arbeit in der Gerichtsmedizin, versteht Bratzke. Manches müsse einfach aufgebauscht werden. Doch Neuhaus sei die Detailarbeit wichtig. „Wir haben uns sehr konzentriert unterhalten.“

Vom Ergebnis ist der Rechtsmediziner begeistert: „Nele Neuhaus geht bei ihren Büchern nicht in die Breite, sondern in die Tiefe.“ Die Neuhaus-Krimis lese er mit Vergnügen.

Das geht ihm allerdings nicht bei allen Krimis so. Weder in Buchform noch als Fernsehfilm. „Was es im Fernsehen zu sehen und in Büchern zu lesen gibt, ist immer häufiger Unsinn“, sagt Bratzke. Wer dagegen so akribisch recherchiere wie Neuhaus, dem gönne er den Erfolg auch.

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