Tankboykott: Autofahrer lassen die Muskeln spielen

+
Raus mit dem Tankstutzen: Am Donnerstag haben in ganz Deutschland viele Autofahrer gestreikt und nicht getankt.

Region Rhein-Main – Der mediale Hype hat ihn wohl überrolt: Andy Adam nannte sich der junge Mann, der vor einigen Wochen bei Facebook dazu aufrief, am 1. März in ganz Deutschland nicht zu tanken. Seit Tagen ist das Event gelöscht, doch zum Tankstutzen haben tatsächlich viele nicht gegriffen. Von Julia Renner

Um es gleich vorweg zu nehmen: Viel bringen wird das nicht. „Die Aktion hat eher symbolischen Wert, es ist ein Zeichen“, sagt Cornelius Blanke, Sprecher des ADAC Hessen-Thüringen. Dennoch, so findet Blanke, sei der Tankboykott ein Anstoß gewesen. Denn der Autofahrer habe auch Macht. „Die Einführung von E10 im vergangenen Jahr ist ein geniales Beispiel“, sagt er. Die Leute hätten Angst gehabt, dass der Motor durch den Sprit kaputt gehen könnte, deshalb blieb E10 liegen.

Doch selbst wenn mehrere hunderttausend Autofahrer am Donnerstag nicht getankt haben – die Mineralölkonzerne merken das nicht. Wer nicht am Donnerstag getankt habe, der habe das dann eben am Freitag oder Samstag gemacht. Für die großen Konzerne bedeute das lediglich eine Verschiebung in der Statistik.

Warum der Tankboykott bei Facebook nicht mehr besteht, ist derweil unklar. Das Unternehmen selbst äußert sich nicht dazu, warum die Gruppe nicht mehr existiert. Stefanie Schieke von Heine PR in Hamburg, die sich in Deutschland um die Pressearbeit des sozialen Netzwerks kümmert, kann sich nicht vorstellen, dass das Event von Facebook gelöscht wurde. „Das wird nur bei Verstößen gemacht“, sagt sie. Und es sei schließlich kein Verstoß, wenn jemand aufruft, nicht zu tanken.

Schieke kann sich vorstellen, dass der Druck auf den Event-Gründer Andy Adam ziemlich groß wurde. Denn immerhin hatten sich schon mehr als 1,5 Millionen User der Aktion angeschlossen. Das seien unglaublich viele, betont Stefanie Schieke.

Für die Zukunft müssen sich Autofahrer an die hohen Spritpreise gewöhnen. „Langfristig gehen die Preise nach oben“, sagt Cornelius Blanke. Der größte Batzen Geld bleibt beim Staat. 56 Prozent des Literpreises sind Mineralöl- und Mehrwertsteuer, 44 Prozent gehen an die Mineralölindustrie. Dem Autofahrer bleibt da nur, freie Tankstellen anzusteuern, rät Blanke, und spritsparend zu fahren.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare