Bundesweit einmalig:

Frankfurter Azubis räumen Preise ab dank Koch-Legenden

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Michael Schneider (links) und Max Zibis wissen, was hiesige Koch-Talente drauf haben.
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Frankfurt – Frankfurts Nachwuchsköche räumen einen Preis nach dem anderem ab. Aus gutem Grund: Zwei renommierte Kochkünstler fördern gezielt Kreativität und das Handwerk von Nachwuchstalenten in deren Freizeit. Von Dirk Beutel

Also, wer da nicht mit der Zunge schnalzt: Frankfurts Koch-Talentschmiede räumt bundesweit einen Wettbewerb nach dem nächsten ab. Das liegt vor allem am Engagement der beiden Frankfurter Koch-Künstler Michael Schneider und Max Zibis. Schneider, eine Ausbilder-Legende, begann vor vier Jahren damit, talentierte Auszubildende in deren Freizeit zu trainieren. Mit dabei: Sein ehemaliger Schüler Max Zibis, der im vergangenen Jahr beim „Les Chefs en Or“ in Paris Koch-Europameister wurde. Etwa acht bis zehn Azubis nehmen die beiden Koch-Institutionen drei Jahre lang in einer Jugendgruppe unter ihre Fittiche, damit diese über den Tellerrand schauen können.

Kritik an Ausbildung in der Berufsschule

Abgekapselt vom Schulstoff. Alles was der köchelnde Nachwuchs investieren muss, ist seine Zeit. Hintergrund ist die dürftige Ausbildung in der Berufsschule. „Dort wird sich an den Schwächsten orientiert. Das ist der falsche Weg, denn die Talente gehen daran zugrunde“, sagt Zibis.

„Deshalb kommen zu uns Auszubildende, die weiter kommen wollen und hoch motiviert sind“, sagt Michael Schneider. In der Jugendgruppe werde daher ein ganz anderes Tempo gefahren. Der Andrang sei zwar überschaubar, die zusätzliche Arbeit mache sich aber bezahlt: „Im vergangenen Jahr kamen drei Auszubildene unserer Gruppe in Sterne-Betrieben unter. Ein tolles Ergebnis.“ sagt die Ausbilder-Legende.

„Wer das, was er in der Gruppe am Leben hält und weiter intensiviert, wird in zehn, 15 Jahren Küchenchef oder arbeitet in der Hoteldirektion“, sagt Zibis.

Kreativität wird gezielt gefördert

Die Ausbildung zum Koch ist ein hartes Brot, daher wird in der Gruppe vor allem die Kreativität und das Kennenlernen neuer Produkte von dem Ausbilder-Duo verfeinert. Genauso wie das Handwerk: Es sei längst an der Tagesordnung, dass Köche nur noch bereits vorbereitete und eingeschweißte Ware auf den Küchentisch bekämen. „Das spart Zeit und den Geldbeutel, hat aber immer weniger mit der Zubereitung eines Essens zu tun“, sagt Zibis. „Bei uns hingegen werden Fische auseinander genommen oder ganze Wildschweine.“

Talente aus Deutschland sollen nach Frankfurt

Das dazugelernte Wissen sollen die Koch-Talente in Wettbewerben anwenden und zeigen, was sie können. So wie bei der elften Matjesmeisterschaft in Hamburg. Alleine für die Vorbereitung für das Turnier investierten die Azubis 500 Extra-Arbeitsstunden. Aber es hat sich gelohnt: Dort holten sich die Frankfurter im dritten Jahr hintereinander den Spitzenplatz und sogar den zweiten Rang, genauso wie 2014. Der positive Nebeneffekt: „Unsere Nachwuchsköche haben dadurch bereits Erfahrung unter Druck zu kochen. Das zahlt sich nachher vor allem bei der Abschlussprüfung aus“, sagt Zibis. Sein persönliches Ziel mit der Jugendgruppe hat er klar formuliert: „Die soll sich in der Kochszene so weit herumsprechen, dass Talente aus ganz Deutschland nach Frankfurt kommen wollen, um sich dort ausbilden zu lassen.“

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Dirk Beutel

Dirk Beutel

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