Immer die gleichen Motive

Tätowierer warnen: Das sind die neuen Arschgeweihe!

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federn, Pusteblumen und Co lassen Tätowierer verzweifeln. Wer unbedingt will, kriegt sie aber dennoch gestochen.

Region Rhein-Main – Arschgeweihe waren gestern. Heute sind es Federn, Vogelschwärme oder Liedzeilen, die die Tätowierer der Region zur Weißglut bringen. Das erste Studio warnt nun seine Kunden, diese Motive stechen zu lassen. Von Christian Reinartz 

Die Arschgeweihe von heute sind Federn, Vogelschwärme, Pusteblumen, Kussmünder und das Unendlichkeitszeichen. Gefühlt jeder Zweite, der in die Tattoo-Studios des Rhein-Main-Gebiets kommt, zeigt eine der Vorlagen.

Daniel Gawlick.

Tattoo-Studio-Inhaber Daniel Gawlick  von Kartell - Tattoo und Piercing  in Frankfurt hat die Massen-Motive längst in einem schwarzen Bilderrahmen auf der Theke stehen. Die Überschrift: Diese Motive sind leider ausverkauft!

„Unseren Tätowierern stinkt das mittlerweile“, sagt Gawlick. „Jeden Tag kommen Leute rein und zeigen auf ihrem Handy exakt dieselben langweiligen Bilder.“ Der Grund ist laut Gawlick ganz einfach: „Viele googlen einfach nach Vorlagen. Und wenn einer eine Feder haben will, dann nimmt er halt die, die am weitesten oben steht.“ Oder noch schlimmer: „Viele Leute wollen ein Tattoo, das irgendein Musikstar hat. Ist doch klar, dass es davon mittlerweile Millionen auf der Welt gibt. Aber wir versuchen unseren Kunden das auszureden“, sagt Daniel Gawlick. „Diese Tattoos stechen wir nur, wenn einer drauf besteht!“

Die böse Überraschung kommt im Sommer

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Die Folge: Immer mal wieder stürmen Kunden sauer aus dem Laden, weil sie dort vor Augen geführt bekommen, dass ihr Motiv gar keine individuelle Idee ist. „Aber das nehmen wir in Kauf“, sagt Gawlick.Schließlich hätten Tätowierer auch so etwas wie eine moralische Verantwortung. „Ich weiß zum Beispiel ganz sicher, dass viele junge Leute diesen Sommer im Freibad ihr blaues Wunder erleben werden“, prophezeit er. „Dann sehen sie nämlich, dass sie gar nicht so individuell sind, sondern jeder Zweite mit einer Feder auf den Rippen rumläuft. Die, denen wir das ausreden, sollten uns eigentlich dankbar sein.“ Denn beim Tätowieren geht es eigentlich darum, seinen Körper zu individualisieren. „Wenn jetzt aber jeder mit demselben Bildchen rumläuft, ist das nur noch peinlich.“

Diese Motive haben die Tätowierer satt.

Wie peinlich so ein Tattoo-Trend werden kann, haben die sogenannten Arschgeweihe der 90er-Jahre oder der von Sängerin Rihanna ausgelöste Sternchenkult gezeigt. „Damals wollte das jeder haben. Heute sind die Leute damit unglücklich.“ Gawlick prophezeit dasselbe für Pusteblume, Feder und Co. „Und da machen wir nicht mit.“

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Lieber nackte Haut als kopierte Tattoos

Stattdessen empfiehlt er Tattoos , die zeitlos sind und nicht irgendeinem Trend unterliegen. Dazu gehörten etwa japanische Motivewie Koi-Karpfen, oder aufwendige Tierabbildungen. Manche Kunden würden sogar absichtlich abgefahrene und ausgefallene Vorlagen wählen, nur um nicht Opfer des Massentrends zu werden. „Auch, wenn es komisch klingt, wer sich beispielsweise einen Hamburger mit Pommes tätowieren lässt, wird immer individuell sein.“

Bilder von der Tattoo-Convention in Frankfurt

Bilder von der 21. Tattoo Convention Frankfurt

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