Nach dem Mord an Emeka Okoronkwo: Wie verhält man sich in Konfliktsituationen?

Nie den Täter ansprechen, sondern immer das Opfer

Frankfurt/Langen – Emeka Okoronkwo hat Zivilcourage gezeigt – und ist deshalb erstochen worden. Am Montag ist der 29-Jährige, der Anfang Mai im Frankfurter Bahnhofsviertel zwei Frauen vor pöbelnden Männern beschützen wollte, in Langen beerdigt worden. Seither fragen sich viele, wie man sich in solchen Situationen verhalten soll. Von Norman Körtge

„Sein Mut sollte uns Vorbild sein und uns alle umso mehr verpflichten, hinzuschauen, für einander einzustehen, im Wohnumfeld, an der Straße, am Arbeitsplatz, wo auch immer – und nicht vor Achtlosigkeit und Gewalt zu kapitulieren“, sagte Frankfurts Bürgermeisterin Jutta Ebeling bei der Trauerfeier für Emeka Okoronkwo: „Er hat Zivilcourage gezeigt und Verantwortung für andere in Not übernommen. Das hat ihn tragischerweise das Leben gekostet.“

Damit Helfer eben nicht selbst zum Opfer werden, geben Experten Ratschläge, wie Augenzeugen in solchen Situationen handeln sollten.

So warnt der langjährige Boxtrainer bei der Frankfurter Eintracht und Mitglied in der Kriminalitätsopferhilfe „Weißer Ring“, Manfred Wegner, vor falscher Zivilcourage. „Ich rate jedem Bürger, bevor er durch falschen Mut sein Leben riskiert, den Polizei-Notruf zu betätigen“, meint der 79-jährige Frankfurter: „Heute hat doch jeder ein Handy dabei. Und die Polizei ist doch dann sofort da.“

Auch Dirk Balzer von der Beratungsstelle der Frankfurter Polizei rät, im Zweifelsfall sofort die Polizei rufen oder andere Passanten auf die Situation aufmerksam machen, damit man nicht alleine dasteht. Sein wichtigster Rat ist allerdings: Nie den Täter ansprechen, sondern immer das Opfer. „ ‚Kommen Sie doch mit mir mit‘ oder ‚Setzen Sie sich doch zu mir‘ kann man beispielsweise zu einer bedrängten Person sagen“, gibt Balzer Beispiele für das richtige Verhalten.

(siehe auch „Meine Meinung“ auf Seite zwei und Seite 14 + 15).

Manfred WegnerF.: nkö

Am Grab eines Helden: Emeka Okoronkwo ist am Montag in Langen beerdigt worden. In den frühen Morgenstunden des 2. Mai wollte der 29-Jährige zwei Frauen vor zwei pöbelnden Männer beschützen. Plötzlich zog einer der beiden ein Messer und stach zu. Wenige Tage später konnten die mutmaßlichen Täter festgenommen werden.

Foto: Strohfeldt

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