Auf der Suche nach dem verschwundenen Schädel

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Frank Wolf sucht seit vielen Jahren nach dem verschwunden Schädelknochen der Dame von Kelsterbach. Nun könnte der Fall gelöst sein.

Hattersheim – Er ist der Sherlock Holmes der Archäologie. Zumindest, wenn es um die Suche nach einem verschwundenen Schädel geht. Genauer gesagt um die Schädeldecke der Dame von Kelsterbach. Der Hattersheimer Frank Wolf hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Schädel zu finden. Von Christian Reinartz

Genau 60 Jahre ist es her, dass der Schädel in der Kiesgrube Willersinn gefunden wurde. Jahre später begutachtet Professor Reiner Protsch von Zieten den Schädel. Jener Mann, der Jahrzehnte später für einen Wissenschaftsskandal an der Universität Frankfurt sorgt.

Kollegen werfen dem Mann vor, nicht die eigenen Forschungsergebnisse in seinen Veröffentlichungen zu verwenden. Manch einer wundert sich auch über die häufigen spektakulären Schädelfunde des Wissenschaftlers. Sie checken die Datierung von Protschs gegen. Und finden das Unfassbare heraus: Die Funde sind vordatiert. Um mehrere 10.000 Jahre.

Eine Replik des verschollenen Schädels.

2004 verschwindet dann plötzlich die Dame von Kelsterbach, die jahrelang als ältester Beleg des Cro-Magnon-Menschen galt, unter ominösen Umständen aus den Stahlschränken von Professor Protsch. Der Wissenschaftler wird angeklagt, erhält Hausverbot. 2009 wird er wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt und wandert in die USA aus. Was bleibt, ist die weiterhin verschwundene Dame von Kelsterbach. Und Frank Wolf, der sich als Hobby-Forscher zum Ziel gesetzt hat, den Schädel zu finden. „Dann stellt sich vielleicht auch heraus, was damals wirklich geschehen ist“, sagt Wolf. Er selbst glaubt nämlich nicht an eine Fälschung. „Ich habe schon nachweisen können, dass es Mitarbeiter gab, die Nachschlüssel hatten“, sagt er stolz. Doch eine heiße Spur, wo die Dame von Kelsterbach sich zur Zeit befindet, hat er nicht. „Ich gehe davon aus, dass irgendjemand sie zu Hause bei sich gebunkert hat“, sagt der Hattersheimer: „Manchmal bringt dann auch die Zeit so etwas wieder ans Tageslicht. Velleicht findet sich der Schädel ja auch in einem Nachlass.“

Doch mit bloßem Warten will er sich nicht begnügen. Stattdessen forscht er weiter, geht jeder noch so winzigen Spur nach, wälzt wissenschaftliche Literatur, vergleicht Fundberichte und interviewt Menschen, die mit dem Fall zu tun hatten. Sogar eine Nachgrabung an der originalen Fundstelle will er ins Rollen bringen, um noch mehr zu finden.

Unterdessen wurde bekannt, dass ein mutmaßlicher Bücherdieb und Ministeriumsmitarbeiter aus Darmstadt auch Fossilien aus dem Senkenbergmuseum entwendet haben könnte. „Das könnte endlich der entscheidende Querverweis seien. Vielleicht hat er die Dame von Kelsterbach bei sich zu Hause.“ Die Polizei wertet die fast 25.000 gestohlenen Exemplare zur Zeit noch aus. Wolf hofft nun endlich nah, an seinem großen Ziel zu sein: „Ich will den Schädel mal in meinen Händen halten.“

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