Doch nicht benachteiligt?

Frauen wollen gar nicht führen

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Wissenschaftler der Uni Frankfurt haben in einer Studie herausgefunden, dass Frauen einen geringeren Drang haben, Menschen anzuführen.

Frankfurt – Man kann es drehen und wenden: In den Führungsetagen der meisten Unternehmen arbeiten nur selten Frauen. Eine Frankfurter Studie hat jetzt herausgefunden warum das so ist. Das überraschende Ergebnis: Frauen wollen gar nicht führen! Von Christian Reinartz

Männergesellschaft? Benachteiligte Frauen? Geht es nach der Studie der Universität Frankfurt, gibt es einen weiteren gewichtigen Grund, warum es bisher so wenige Chefinnen gibt. „Frauen haben einen geringeren Drang, Menschen anzuführen“, sagt die Sozialpsychologin Alina Hernandez Bark. „Eigene Erfolge sehen sie eher als Erfolge des ganzes Teams“, sagt die Wissenschaftlerin. Ihre Folgerung: „Deswegen haben Frauen auch einen weniger großen Drang, ein Unternehmen zu führen.“

Das ist das Ergebnis einer Studie, die Hernandez Bark mit einem Forscherteam in Zusammenarbeit des CLBO (Center for Leadership and Behavior in Organizations) durchgeführt hat. Weit über tausend Frauen und Männer wurden befragt. „Wir haben alle relevanten Gesellschaftsgruppen abgefragt“, untermauert die Wissenschaftlerin das Ergebnis ihre Arbeit. Aber Frauen können auch führen. Sogar besser als Männer. Das zeigen US-Studien ihrer Kollegin Alice Eagly bei der die Daten von 30.000 Frauen und Männern ausgewertet wurden. Vor allem bei der intellektuellen Anregung und der Motivation von Mitarbeitern sind die Frauen sogar eindeutig im Vorteil. Trotzdem nutzen sie ihren Vorteil offensichtlich nur selten.

Viele Gründe, warum Frauen nicht führen wollen

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Dass die Ergebnisse der Studie so manche altgediente Argumentation von Frauenrechtlerinnen kaputt macht, ist offensichtlich. „Aber so sind nun mal die Ergebnisse“, sagt Hernandez Bark. Die Gründe, warum Frauen nicht führen wollen, können indes vielfältig sein. „Wir gehen jedoch davon aus, dass die Ursprünge in der Sozialisation liegen“, sagt Hernandez Bark. Das heißt: Weil Mädchen anders erzogen werden als Jungs, wollen sie später keine Führungspositionen übernehmen. „Wenn ein Mädchen etwa unter Brüdern aufwachsen würde und von den Eltern genauso behandelt werden würde“, sagt die Wissenschaftlerin, „dann würde es später einen ähnlichen Wunsch verspüren, eine Führungsposition zu bekleiden.“

Doch welche Erkenntnisse aus der Studie können auf die Realität angewendet werden? Eine fixe Frauenquote ist, laut Hernandez Bark, keine praktikable Lösung. „Stattdessen sollte es eine Quote geben, die die tatsächliche Geschlechterzusammensetzung im jeweiligen Unternehmen widerspiegelt.“ Ob Frauen jemals genauso gerne führen werden wie Männer, weiß niemand. Hernandez Bark ist aber sicher: „Damit das passiert müssten sich die Geschlechterollen angleichen.“

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