Strom-Protest überall: Gegen Kohle-Block, gegen Windrad-Riese

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Winfried Schwab-Posselt kämpft gegen den Ausbau des Kohlekraftwerkes in Großkrotzenburg.

Hainburg/Groß-Umstadt – Woher soll in Zukunft der Strom kommen: Aus Atom-Energie, Kohle- oder Windkraft? In der Region sind vor allem zwei Projekte umstritten. Der geplante Block sechs des Kohlekraftwerks Staudinger in Groß-Krotzenburg und die Windkrafträder bei Groß-Umstadt. Von Norman Körtge

Für Winfried Schwab-Posselt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich der Energiekonzern Eon von den Ausbauplänen am Standort Staudinger in Großkrotzenburg verabschiedet. Zumindest interpretiert der Hainburger Sprecher der Bürgerinitiative „Stopp Staudinger“ so die jüngsten Ereignisse: Den Ausstieg der Stadtwerke Hannover als Investor für den 1,2 Milliarden Euro teuren Kohlekraftwerksblock sechs sowie die Rede von Eon-Chef Johannes Teyssen diese Woche in Düsseldorf.

„Die Stadtwerke Hannover haben aufgrund neuer Wirtschaftlichkeitsberechnungen Abstand genommen und genauso wird es auch Teyssen machen“, meint Schwab-Posselt. Er hat beobachtet, dass Eon schon seit längerer Zeit nur noch die Großprojekte im nordrhein-westfälischen Datteln und in Rotterdam zur Schau stellt. Hinzu komme, dass wenn das Bundesverfassungsgericht die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke bestätige, sich Block sechs überhaupt nicht mehr rentiere. Deshalb blickt Schwab-Posselt auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Entwicklung: Entweder bleibt der Atomreaktor in Biblis am Netz oder es wird das „fossile Dinosaurierprojekt Block sechs“ vorangetrieben.

Hanau will klagen

Staudinger-Sprecherin Eva Katzenbach-Trosch kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. „Der Bau von Block sechs ist in keinem Zusammenhang mit einer Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken zu sehen“, sagt sie. Sie geht davon aus, dass das Regierungspräsidium Darmstadt bis Ende des Jahres die Genehmigung erteilt. Da darin sicherlich Auflagen gemacht würden und mit Klagen zu rechnen sei – unter anderem kündigte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky juristische Schritte an – würde es dann noch mindestens ein halbes Jahr dauern, bis die Bauarbeiten starten könnten.

Proteste gegen Windkrafträder

Auf dem Binselberg bei Groß-Umstadt kommen zu den bestehenden Windkrafträder zwei weitere hinzu.

Diese haben auf dem Binselberg bei Groß-Umstadt bereits begonnen. Dort errichtete der südhessische Energieversorger HSE zu den bestehenden beiden Windrädern zwei weitere. Sie sind mit einer Gesamthöhe von knapp 180 Metern allerdings fast doppelt so hoch wie die alten. Ende November werden die Gondeln und Rotorblätter montiert und noch dieses Jahr soll Strom produziert werden, berichtet HSE-Sprecher Gert Blumenstock. Proteste dagegen gibt es vor allem von einer Bürgerinitiative (der EXTRA TIPP berichtete). Ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs in Kassel (VGH) steht noch aus. Allerdings deuten die bisherigen Gerichtsentscheidungen an, dass auch der VGH das Projekt nicht mehr stoppt.

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